Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 164
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tze>, sollten, ist nicht wahrschcinlich: sowohl di'c einsichts-
volle Bchandlung deS Nacktcn, alS die phantastischc Er-
findung dcr Einrahmung enthaltcn den Bcwcis, dasi der
Styl älter ist als die Arbeit. Ueberhaupt abcr
sind wir darin sehr übel berathen, daß wir von den wcnig-
stcn uns erhaltenen Kunstwerken die Geschichte kcnnen.
Wüßtcn wir nur wenigstcns, wo und wann sie aus-
gefunden sind, mi't Gcwißhcit, so würdc uns die Be-
stimmung und Bedeutung vieler klar werdcn.

Dicse Glcichmäßigkeit des hieratischen Styls abcr, die
allcn angcführten Anaglyphen gemein ist, dicse durchaus
alterthümliche Wcise in der Haltung und Stellung, in den
Haaren und Gewändern, endlich diese völlige Uebereinstim-
mung in der Anordnung, wie sich dieß alles nur bey hei-
ligen Gegenständen sindct, berechtigcn uns zu der Annahme,
daß das Urbild durch sekne Aufstellung in einem der gefci-
ertesten Tempel Griechenlands, vielleicht auch durch den
ruhmvollen Namen seines Meisters, zeitig ein Gegenstand
hoher Verehrung gewordcn seyn muß. Da aber kein Göt-
tersitz gleicher Heilighaltung genoß wie der Dclphische, su-
chen wir nicht ohne Grund dort den Quell allcr dicser
Darstcllungen. Durch ihren Gegenstand sclbst, den Pythi-
sch-n Drcyfuß, besonders geeignet zu Tempclgeschenken, er-
blicken wir si'e vorzugsweis als Vcrzicrungen heiligcr Ge-
räthe, und sehn darin auch dcn Anlaß ihrcr häusi'gen Wic-
dcrholung wie in Anaglyphen, so auf geschnittnen Steincn
und Gemählden.
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