Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 168
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1.

Gvttingen, den >6. Docemb. -827.
^Shrcr Anfrage über das Hermaphr 0 dite 11 - Sym-
plegma will ich nach Kräften zu genügen suchcn. Die
Gruppe ist mir durch einen Zufall sehr intcressant gewor-
dcn. Jm brittischen Museum, im zchnten Zimmer
Nc>. y6., besindet sich die Statuc eines halb sitzendcn halb
liegenden Satyrs, der in der rcchten gchobncn Hand eine
Schale schwenkt, und die linke wic wahnsinnig ins Gc-
sicht drückt. So sieht er nämlich jctzt aus — dcnn bcide
Borderarme sind rcstaurirt — und da noch bcschreibt ihn
die L^oo^sis ok tlio Gontsnds ok tlio Drldiski IVlrisLuui
als: a sdatiio ok aii intoxiLadocl l?ami. Abcr Jedcr, der
das Drcsdner Symplegma des Satyrs und Hcrmaphrodi-
ten gesehen hat, muß bei gcnauerer Ucbcrlcgung mcrken,
daß er hier die eine Figur dieser Gruppe, von der andern
getrennt, vor Augen habe; die ins Gesicht gcprcßten Fin-
gcr gehöreu deutlich dcm sich loszuringcn bcmühten Hcr-
maphroditen gn: daß sie der Ncstaurator mit dem linkcn
Arme dcs Satyrs verbundcn hat, konntc nur durch die
höchste Verkehrtheit geschehn. Jch theilte die kleine Ent-
deckung dem wackern Nöhden, und, wcnn ich mich recht er-
innere, auch Taylor Combe mit; das Augusteum von Be-
cker wurde herbeigcholt, und ich denke, daß die Sache da-
mals schon (1822 im Sommcr) von uns ins Reine ge-
bracht wurde. Ueber den Satyr habe ich mir Folgcndcs
bemerkt. Ein kräftiger muskulöser Körpcr, bcsonders starkcr
Oberleib. Die Beine auseinandcr gcspreitet, der rechte
Schenkel bildet einen rechten Winkel mit dcm Leibe, der
linke liegt niedrigcr. Der rechtc Arm hcbt sich stark vom
Leibe empor; der linke liegt der Brust mchr an. Die
fremden Fi'nger liegcn über dem Mund und dem rcchten

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