Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 172
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anzugeben, welche dcr ursprünglich alten Gruppe gehörten.
Um mit den andern alten Fragmenten, die er zu Hülfe
nahm, grvßere Uebereinstimmung hcrvorzubringen, sind die
Thcile des Rückens alle der Art mit Eisen übergangen,
daß nur an wenigen Stellen sich die Pflänzchen crhalten
haben, welche als einzi'g sichres Zeichen gelten können, daß
der alte Marmor unbcrührt blieb. Der Marmor des gut
gcarbeiteten Kopfes verrath durch sein röthliches Gclb und
durch seine feineren Crystalle auf dcm Bruche, daß er ur-
sprünglich eincm andern Denkmahle angehörte, so wie auch
die unverhältnißmäßig starken Arme in den unüberarbeite-
ten Theilen eine Oberfläche zeigcn, die durch die Verwit-
terung anders angcgrl'ffen wurde.

Leider hat die Dresdner Sammlung zuviele Proben
ahnlicher Mißhandlungen bedcutender Fragmente aufzuzei-
zeigen, als daß dicse barbarische Flickerci überraschen sollte.
Die Zcit dcs völligstcn Verfalls der Skulptur bcwährte
sich namentlich auch durch die frevelhaftcstc Willkühr gegen
antike Fragmente: und durch dke Frechhei't, mit der man
alte Denkmähler zusammenschte, über dercn Sinn man
schwerlich Rechenschaft zu geben im Stande war.

Ein bessercs Schi'cksal hat die andre Gruppe (I^o. Z17.)
vor ähnlichen Ergänzerhänden bewahrt. Sie ist verständig
nach den Andeutungcn des alten Marmors hergcstellt, die
ftci'lich der Art warcn, daß kaum ein Jrrthum stattsinden
konnte, denn überall wiesen die Brüche auf das hin, was
vom neuern Bildhauer angefügt wurde. Nur dcr Hals
des Hermaphroditcn ist überdreht, und sckn rcchtcr Fuß
schcint in der Weise, wie er gelegt ist, verfehlt; doch bleibt
darum immer ciniger Zwcifel, weil dcr alte Marmor in
seincn erhaltcnsten Thcilcn Contorsionen zeigt, welche ana-
tomisch nickt gerechtfcrtigt werden können. So richtkg im
Sinnc dcr Gruppe es scyn möchte, daß der Satyr mit
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