Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 187
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archaeologieundkunst1828_1/0219
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
187

3.

Ueber die Musik der Alten.

Leipzig den 19. December 1827.
l§,'e fordem mich auf, Jhneu meine Gedanken über mu-
sicalische Declamation und Jnstrumentalbegleitung auf den
Theatcrn der Griechen und Römer, worüber wir uns in
diesem Spätsommer wahrend meines Aufenthalts in Dres-
den einigemal besprochen, ausführlicher mitzutheilcn. Wie
gern leistete ich dieser Auffordcrung Folge. — Ucberdenke
ich mir aber, was auf jenen Punkt zu antworten: so zeigt
sich deutlich, daß es gar nicht geschehen könne, ohne meh-
rere Bogcn zu süllen. Selbst Jhre' Fragen bewcisen es.
Da Sie und viele Jhrer philologischen Freunde ni'cht Mu-
siker sind, müßte ich jeden Kunstausdruck erst bestimmen
und erläutern, um nicht mißverstanden zu wcrden; was,
nach Jhren Fragen, selbst bey dcr letzten mündlichen Un-
terhaltung geschehen ist. (Si'c hattcn nicht Zeit, näher
einzugehen.) Das Hauptübel für alle Philologen und die
mit ihnen hierüber zu thun haben, geht von der Sprache
aus. Unsere Musik ist ei'ne neue, nicht eine neuausgebil-
dete Kunst; obgleich die kümmerlichen, entstellten Ueberreste
dcr alten, di'e Veranlassung und cini'germaßcn den allerer?
sten Stoff zur ncucn gegcbcn habcn. Nun fällt die Ent-
stchung der lctztern in die mittlern Zeiten des Mittelalters
und in di'e Klöstcr. Hi'er hatte man zwar die alten Aus-
drücke, die gricchischen und lateini'schen: abcr sie hattcn
ihren wahren Sinn vcrlorcn, da die Gegcnstände, welche
sie bezeichnetcn, nicht mehr vorhanden waren, und man die
Alten, wenigstens mit Sinn, nicht mehr las. So nahm
man dic alten, gangbarcn Worte für die ncucn Ersindun?
loading ...