Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 212
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weit gedichenen Fmlschreiten in Kunst und ,'m Wissen, in
der ausgezeichneten Bildung im Usrs-äeüt, — und man
wird lächeln müssen über die Lcnte, die in allem Ernste
hoffen, wie in Tiecks Prinzen Zerbino, die Zeit zurück-
dreh en zu können, und man wird mit Freude darauf
schließen, wo München in den nächsten 20 Jahrcn stchen
wird? Denn Gott Lob verdoppclt sich die Schnelligkeit
der Mittheilung der vom Himmel fallenden Bildungsgaben.

König Ludwig will keinen Staat im Staate,

— Er will keine Jesuiten, — Er will monarchisch re-
gieren, und dabey doch die gesetzliche Freiheit ehren, —
Er ist dem Glauben seiner glorreichen Ahnen strenge zuge-
than, fürchtet aber doch nicht, das Wissen und For-
schen neben dem Glauben walten zu lasscn. — Er
steht auf einem historischen Boden, neben großen und
echldeutschen Erinnerungen in Wayern, Franken und Schwa-
ben. Die Altbaycrn stellen gewissermaaßen das erhal-
tende Princip dar, die Neubayern das fo r t sch r e i t ende,

— und in der allmähligen Verschmelzung Beyder, in ihrem
Zusammenwirken, schlummert keine geringe Krast.

München selber als Stadt ist glcichsam auch noch eine
„Stadt der Widersprüche", und ei'ne Allegorie dessen, was
ich Ihnen, vcrehrter Herr und Freund, oben geschrieben
habe. — Auch an Gebäudcn und Ausdehnung hat Mün-
chen seit 20 Jahren zugenommen, wie gar keine andere
dcutsche, ja vielleicht europäische Stadt, und somit steht
frcilich Altes und Neues, Grvßes und Kleincs nebcn ein-
ander, das crst die Zcit annähern und ausglcichen muß.
Eine inncre Einheit ist wohl ein hohes Gut, abcr cine
völli'ge Einförmigkcit ist nur das Paradies dcr Be-
schränktheit, der Jdeenarmuth, mitunter auch der eitlen
Furcht.

Ilmollii: morss, nso sinir esso koros, — düttlM hat
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