Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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Die jetzt sehr beschädigten Arme der vier Figuren begegnen sich
in rhythmischer Verschlingung der Linien: die ersten zwei Nymphen
faxten mit ihrer r. Hand, in welche sich die L. der folgenden leise
hineinlegte, zierlich das Obergewand, die dritte dagegen hebt den
freien r. Arm in anmuthiger Tanzbewegung über ihr Haupt und hielt
Krotala, welche in der r. Hand zwar bis auf geringe Reste wegge-
brochen, in ihrer L. aber in deutlichen Umrissen zu erkennen sind.

Newton (travels I, S. 123) sagt von unserm Relief, dass es
aus guter Zeit zu stammen scheine und mit einer Kühnheit ausge-
führt sei, welche an Nachlässigkeit grenze. Im Arch. Anzeiger ist
noch hinzugefügt, dass es wahrscheinlich nicht viel jünger als die
Zeit des Pheidias sei. Es gleicht, wie mir scheint, im Stile attischen
Arbeiten der vor-makedonischen oder früh-makedonischen Zeit und
zeichnet sich vor den zahlreichen, bisher bekannten Nymphenreliefs
durch Frische der Erfindung und Ausführung aus. — Die Literatur
über diese Classe von Bildwerken ist zuletzt zusammengestellt von
Wieseler über ein Votivrelief aus Megara in Abb.. der k. Gres. d.
Wiss. zu Gröttingen XX, S. 20 f. des Separatabdruckes. Ein dem
unseren sehr ähnliches, im Jahre 18G8 ebenfalls in Gallipoli befind-
liches Exemplar beschreibt Dumont inscr. et mon. fig. de la Thrace
(archives des miss. scientif. et litt. III. Serie, Tome IH) n. 98.

2. Sogenanntes Todtenmahl.

Weisser Marmor. — H. 0'39. Br. 0-45. Unten ein 0"09 h., 0-15 br. Zapfen,
wie bei n. 1. — Abgebrochen die r. Ecke. — Aus K h o d o s.

Das eingetiefte Feld ist von einem regelmässigen, viereckigen
Rand umgeben, aus welchem an der 1. Seite ein Mädchen in klei-
neren Dimensionen als die übrigen Figuren herausgearbeitet ist. Es
ist bekleidet mit Chiton und Mantel, der die eigenthümlich geformten?
aufwärts gerichteten Brüste freilässt und unter denselben von einer
Spange in Form eines Epheublattes zusammengehalten wird, und
setzt den 1. Fuss wenig vor den r. Das Gresicht, im Profil, trifft
gerade auf die innere Kante des Randes und ist daher unterschnitten.
Das Haar ist auf der Stirne einfach gewellt, dahinter eine Kopf-
bedeckung, welche einem verkürzten Petasos gleicht, dann in Voluten
gelegte Zöpfe. Die R., welche den Mantel hält, ist adorirend ge-
hoben. Vor ihr, ebenfalls nach r. blickend, sitzt eine Frau: ihr
Oberkörper ist nackt, um Leib und Beine ist ein Mantel geschlagen,
unter welchem an den Füssen der Chiton sichtbar wird. Bemerkens-
werth sind die vollen Formen des Oberleibes, die stumpfen, hängen-
den Brüste, der starke Hals und der kleine Kopf. Eine breite
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