Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

Seite: 9
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1877/0027
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
9

8. Grabstein der Thai'eta.

Weisser Marmor. — Der ganze Stein 085 h., 0-35 br. Unten ein Zapfen: s.
zu n. 1. — Kurz beschrieben von Conze 2. Bericht über die Vorarbeiten zur Her-
ausgabe der griech. Grabreliefs in Sitzungsber. der phil.-histor. Cl. d. Ak. d. W. zu
Wien (1875) LXXX, S. 622. S. 14 des Separatabdruckes.— Beschrieben nach einer
Zeichnung und einem Abklatsche, welche Herr E. Majonica besorgt hat. — Aus
Rhodos, jetzt in Triest befindlich.

Der Stein ist oben und unten mit Kyma und Platte gerade ab-
geschlossen, in der Mitte das flache Relief. L. sitzt eine Frau (nach r.)
mit verschleiertem Haupt in ärmellosem Chiton und langem Mantel
auf einem Stuhl ohne Lehne, auf welchem ein Polster und darüber
eine Decke, welche vorn herabhängt, liegt. Die Füsse ruhen auf
einem Schemel mit geschweiften Beinen, welcher schräg in die Bild-
fläche gestellt ist. Die 1. Hand liegt im Schosse. Die R reicht sie
einem vor ihr (nach 1.) stehenden unbärtigen Manne, der den Mantel
über der 1. Schulter trägt. — Unter der Darstellung die Inschrift:

0 A I H T A Ocür)Ta

KAEY0ANTO Y KXeucpävxou.
Aus der Diadochenzeit.

ß. Rundarbeiten in Stein.
9. Herabfliegende Nike.

Weisser, grosslaystallinischer Marmor. — H. 0\34. — Abgebrochen der Kopf,
der r. gehobene Arm an der Schulter, der 1. gesenkte von der Mitte des Oberarms,
die Flügel, das r. Bein gleich unter dem Knie und der untere Theil der Figur nahe
über den Füssen. — Abgebildet Taf. H. — Aus Laodikeia (Syrien).

Sie ist bekleidet mit dorischem Chiton und Diplo'idion, unter
der Brust mit einem Riemen gegürtet, welcher vorn von einer Spange
zusammengehalten wird. Das Gewand ist an den Leib fest ange-
drückt, darunter bildet das Diplo'idion Falten, wie sie der Wind
emportreibt. Das r. Bein tritt aus dem Chiton frei hervor, das zu-
rücktretende 1. verschwindet fast in den Falten der Gewandung.
Am 1. Oberarm sind Reste [eines Palmzweiges] erkennbar. An den
Schultern sind die Ansätze grosser Flügel erhalten, dazwischen Ge-
wandfalten, doch nur flüchtig angedeutet, überhaupt ist die Rückseite
fast gar nicht, die r. Seite weniger als die 1. ausgeführt.

Wirkungsvolle, resolut decorative Arbeit. So sind die Falten des
Gewandes neben dem r. Bein rücksichtslos in das Fleisch hinein-
geschnitten. — Die Figur ist für die Vorderansicht, jedoch etwas von
links her (vom Beschauer) berechnet. Wenn ihr in ihrer Ursprung-
loading ...