Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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liehen Aufstellung eine zweite Nike entsprach, so stimmte dies Pen-
dant in Haltung der Arme und Stellung der Beine genau mit der
Nike des Paionios (Die Ausgrabungen von Olympia I, Taf. IX—
XII) überein. Auch unsere Figur muss in einem starken Winkel
gegen den Horizont geneigt gewesen sein; erst bei dieser Auf-
stellung kommt das 1. Bein zur Geltung.

10. Weibliche Statuette.

Weisser Marmor. — H. 0-33. — Abgebr. der Kopf und beide Arme, der grösste
Theil des Mantels r., der untere Theil der ganzen Figur, nahe unter den Knieen,
und ein Theil der Faltenenden des Gewandes. Brust und r. Knie mit Tarter bedeckt.
— Aus „Keriade" im Busen von Smyrna.

Die schlanke Gestalt hob den r., senkte den 1. Arm und setzt
das r. Bein in lebhafter Bewegung gegen 1. vor. Doch ist der Ober-
körper, und offenbar auch der Kopf, etwas nach r. gewendet. Auch
die reichen Falten des Chiton zeigen dieselbe contrastirende Bewe-
gung: sie flattern in starkem Schwung vom r. Oberschenkel nach
rückwärts, aber die Enden der Falten, soweit sie erhalten sind,
beugen sich wieder nach vorwärts. Die Bewegung der Gestalt ist
also eben zum Stillstand gekommen, oder will sich in ihr Gegentheil
umsetzen. Der feine Chiton ist um die Hüfte hoch gegürtet und
reichte nicht über das 1. Knie, von dem ein Stück nackt aus dem-
selben hervortritt; auch die erhaltenen Faltenenden 1. deuten darauf,
dass der Chiton nicht länger war. Ueber den Chiton ist ein Fell
so eng geknüpft, dass die Formen des Leibes durchscheinen. Das-
selbe geht von der r. Schulter quer über die Brust unter der 1.
Achsel durch; vorn hängt ein Bein des Felles herab. L. unter der
Brust erscheint der katzenartige Kopf und der Hals des Felles
horizontal straff angespannt. An der r. Seite sind unbedeutende
Reste eines Mantels. Die Rückseite ist flach gehalten, doch auf
ihr die ganze Bekleidung durch seichte Meisselhiebe angedeutet:
der Chiton mit seinem Bausch um die Hüfte, das Fell, von welchem,
Avie vorne, ein Bein herabhängt, von der 1. Achsel zur r. Schulter
emporgehend und von 1. her in der Höhe der Hüfte kommend, die
langen, schrägen Falten des Mantels.

Griechische Arbeit. — Zu reliefartiger Aufstellung bestimmt. Nach
Analogie der Figuren auf Meleagersarkophagen möchte ich an eine
Artemis oder Atalante denken.
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