Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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unserer Statue noch angebracht werden sollte. S. auch Arch. Z.
1851, Taf. 35 und vgl. den auf einen Schlauch gestützten Silen bei
Clarac 334, 1748.

13. Torso eines Knaben.

Keinweisser, feiner Marmor. — H. 0*48. — Abgebr. der Kopf, der r. Arm an der
Schulter, das r. Bein über dem Knie, das 1. an der Hüfte. Der Gegenstand, welchen
der Knabe im 1. Arm trug, ist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Reste von An-
sätzen oder Stützen auf der Brust, am r. Oberschenkel und an der 1. Hüfte. Sonst
ist die Oberfläche trefflich erhalten. — Gekauft in Beirut.

Die Figur ist ganz nackt. Der 1. gebogene Arm, an den Leib
gedrückt, hält einen jetzt unkenntlichen Gegenstand. Unter dem-
selben, gegen den Leib hin, sind Reste, welche eine Aehnlichkeit
mit Vogelfüssen haben; zu demselben Gegenstand gehört auch der
Ansatz in der Mitte der Brust. Der r. Arm hing herab, wie die
Stütze am r. Oberschenkel beweist. Die Statue ruhte auf dem r.
Fusse, die r. Hüfte ist leise ausgebogen. Zwischen dem 1. Ober-
arme und dem Leibe eine starke, viereckige Stütze.

Gute Arbeit, nur der Rücken weniger sorgfältig ausgeführt. —
Zahlreiche ähnliche statuarische Darstellungen von Knaben mit einem
Vogel sind uns aus griechisch - römischer Zeit erhalten, Genre-
bilder, von denen einzelne als Brunnenfiguren gedient haben mögen
(E. Curtius Plastik der Hellenen an Quellen und Brunnen in Abh.
d. Berl. Akad. d. Wiss. 1876, S. 169 f.), die meisten dagegen, worauf
die Analogie vieler Grabreliefs führt, Grabaufsätze waren. Nur bei-
spielsweise führe ich an: Knabe eine Gans fütternd (Clarac 876,
2228 C), Flügelknabe mit einer Gans im linken Arme (mon., ann. e
bull, dell' inst. 1854, tav. 39), Knabe mit einer Gans in beiden
Händen (Arch. Z. 1871, Taf. 53, 3), Knabe eine Ente auf einer
Stele neben sich haltend (Ann. dell' inst. 1859, tav. d'agg. A),
Knabe eine Ente in der Linken haltend und liebkosend (Müller-
Wieseler D. d. a. K. I. 58, 291), auch die Marmorstatuette in der
Gypssammlung der kais. Akad. d. Künste in Petersburg (Treu
Kat. n. 347). Unter kyprischen Funden, also dem Fundorte un-
serer Figur nahe, scheinen solche Knaben als Träger von Weihe-
gaben (Vögel, Böckchen) vorzukommen (Doli die Sammlung Cesnola
in mim. de l'acad. imp. de St. Petersbourg B. XIX, namentlich über-
einstimmend Taf. VII, n. 13 [832]). Der Ansatz an der 1. Hüfte
unserer Figur gehört demnach zu einem Baumstamme.
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