Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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zu gewinnen. Doch darf man als das Wahrscheinliche hinstellen,
dass die Attribute (Horner, Mondsichel, Modius) eine der in Gestalt
und Namen mannigfach variirten Darstellungen der vorderasiatischen
„grossen Göttin" erkennen lassen. In Aquileja, dem Fundorte des
Kopfes, kann das Vorkommen des Bildes einer solchen Göttin nicht
befremden.

18. 19. 20. Drei kleine weibliche Köpfe.

Weisser Marmor. — Nr. 18 0-07 M. h. Nr. 19 u. 20 0-04 M. h. — Abgebr.
der Haarschopf von Nr. 18. — Aus Pergamos.

Nr. 18 stark nach r. gewandt, von freundlichem Ausdruck; die Haare von allen
Seiten zu einem Schopf auf dem Scheitel zusammengenommen. — Nr. 19 mit run-
dem Gesicht und breitem Haarzopf. — Nr. 20 mit um den Kopf gelegten Zöpfen;
die Ohren nur durch Löcher angedeutet. — Sämmtlich von schlechter Arbeit. —
Wie es scheint, von Relieffiguren abgebrochen.

21. Männlicher Portraitkopf.

Weisser Marmor. — H. mit dem Hals 0"225. — Abgestossen die Nasenspitze.
Der Kopf war zum Einsetzen bestimmt. — Gekauft in Triest; aus Aquileja.

Der Kopf ist etwas nach r. geneigt, die Augen tiefliegend. Die
Augensterne sind nicht angegeben, doch die Pupillen etwas abge-
plattet. Spärlicher Schnurbart und kurzer Backenbart, welcher unter
dem Kinn als schmaler Streifen durchgeht, das Kinn freilassend.
Ueber der Nasenwurzel sind zwei starke Falten. Das kurze, krause,
tief in den Nacken gewachsene Haar ist mit dem Bohrer gearbeitet.
Der lange Hals zeigt kräftige Halsmuskeln.

Arbeit und Typus des Kopfes weisen auf die Zeit Hadrian's
oder der Antonine; namentlich zeigt sich eine entfernte Aehnlichkeit
mit dem als L. Aelius Caesar bezeichneten Kopfe (bei Visconti
Icon. Rom, pl. 39* 1. 2 = Clarac 291, 2440. Mus. Capital II,
tav. 36).

deutlich zu machen, durchaus nicht die bei unbedeutender Arbeit doch dem Gesichte
namentlich in der ganzen Wendung und um den Mund aufgeprägte Anmuth wieder-
zugeben. Modius und Halbmond entsprechen ganz denen des Kopfes aus Aquileja.
Die Binde im Haar ist an dem Athenischen Köpfchen mit Blumen und Blättern
geschmückt. Die zwei rundlichen Formen unter dem Halbmonde weiss ich nicht zu
deuten. Seitwärts von denselben sind Flügel angebracht. Jederseits fallen lange
Traubengehänge herab. Ueber ihnen werden die Schläfen durch gewundene, an
Ammonshömer erinnernde Bildungen verdeckt. Die Hörnchen, welche der Kopf aus
Aquileja über der Stirne zeigt, fehlen dagegen an dem Athenischen Kopfe, welcher
sammt seinen Attributen hinten noch von einem plastischen Nimbus (tt6\oc) umfasst
wird. O.
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