Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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Hinter den Augen zwei Löcher zum Einsetzen der Ohren. Vier Quer-
falten über der Schnauze, drei schematische Locken auf der zurück-
weichenden Stirn. Ungemein breiter, starker Nacken.

Rohe, phönikische Arbeit. — Aehnlichen Typus, aber sehr ver-
edelt, zeigt ein Terracotta-Stierkopf aus Tarsos bei Fröhner les musees
de France pl. 31.

Ferner waren von den in Triest befindlichen, meist in Kisten verpackten Gegen-
ständen Herrn Majonica zugänglich:

a) Marmorner Fuss einer Schale, mit jonischer Cannelirung (vgl. Semper
Stil II, S. 17). — Umfang unten 1-04; oben 0-78. H. 0'50. — Abgebr. die hintere
Hälfte. — Aus Aptera (j. Paläokastro auf Kreta). — b) Bruchstück eines lesbi-
schen Kymation, darunter Astragal. — Aus Halikarnasos. — c) Halbe Säulen-
trommel. — Ebendaher. — d) Säulentrommel. — Aus Ephesos. — e) Archi-
tektonisches Fragment: Palmettenfries, dorisches, dann lesbisches Kymation, Astragal.
— Aus Erythrai.

0. Terracotten.

Die folgenden Terracotten stammen zum grössten Theil aus
Pergamos, dem reichen Fundorte antiker Terracotten. Sie sind
von Herrn von Millosicz theils in Dikeli - Limaiii und Sandarli (an
der Küste), theils auf dem Wege von letzterem Hafen nach Per-
gamo und an Ort und Stelle selbst nicht von Händlern, sondern
von Bauern gekauft worden. Ihre Provenienz ist also so unver-
dächtig als möglich. Dennoch wird die Freude an diesen zum Theil
reizenden Erzeugnissen griechischer Kleinkunst dadurch erheblich
beeinträchtigt, dass einige derselben Anlass zu berechtigten Zweifeln
an ihrer Echtheit geben1). Keine der unten angeführten Terracotten

]) Ich stelle hier diejenigen Terracotten zusammen, von deren Unechtheit ich
mich überzeugt halte: Jugendlicher, männlicher, behelmter Kopf. Rothbrauner, glim-
meriger Thon. H. O06. Die ganze Oberfläche zeigt einen lehmfarbigen Ueberzug.
Aus Pergamos. Mit Ausnahme des Sturmbandes und des Helmkammes, der eine
eigenthümlich scharfe Bildung zeigt, eine genaue Copie des Achilles oder Mars
Borgliese (Clarac pl. 263, 2073). Das Gesicht erhält durch die Bildung des Mundes
und der Augen — hervortretende Augäpfel, in der Mitte vertieft — einen blöden
Ausdruck. Neben sonstiger Glätte der Formen zeigt sich Unsicherheit in der Be-
handlung des Haares und der Greifen am Helm. — Satyrkopf. Eöthlicher, stark
glimmeriger Thon. H. O055. Keine Farbenspuren. An der 1. Backe eine künst-
liche schwarze Schmutzschicht. Aus Pergamos. Kopf nach r. geneigt, von leb-
haftem, schmunzelndem Ausdruck. Die Haarbehandlung erinnert an die der Alexander-
köpfe, hinter den aufstrebenden Haarlocken ein schmales Band. Die Stirn und die
Partien um den Mund sind abweichend von der mehr summarischen Behandlung so
kleiner Terracotten mit dem Modellirholz sehr weit g-eführt, welches auch an der 1.
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