Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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Walther's und der Herausgeber der als Anhang der Meyer'sehen
Ausgabe der Werke Winckelmann's erschienenen Briefsammlung hat
einige davon, die er für wichtig hielt, abgedruckt. Leider wurde
damals die Correspondenz Winckelmann's eben so nachlässig ge-
sammelt wie ungenau und verstümmelt abgedruckt. In der Folge
wurden diese Briefe verkauft und damit unter zahlreiche Auto-
graphensammler zerstreut. Weit die meisten Autographen Winckel-
mann's, die in Privatcabineten, bei Händlern und auf Versteigerungen
vorkommen, sind Trümmer jenes Briefwechsels mit seinem Buch-
händler. Obwohl sie meist kurze Geschäftsbriefe waren, so ent-
hielten sie doch viele für eine Biographie brauchbare Notizen, die
nun so gut wie verloren gegangen sind, — wie mich wenigstens ein
fehlgeschlagener Versuch, sie abschriftlich zu sammeln, überzeugt hat.

Der nachstehende Brief führt uns in die erste Zeit seines römi-
schen Aufenthalts. Er sucht Verbindungen mit römischen Gelehrten,
die er im Laden eines Buchhändlers anzuknüpfen hofft. Schon denkt
er an Veröffentlichungen über die Antiken Roms, die er erst anfängt
zu studieren; er kündigt die Titel dieser Schriften in gleichzeitigen
Briefen an; er legt auch sogleich Hand an; aber bald kam ihm
die Idee einer Geschichte der Kunst, in deren weitläufigen Plan
sie dann sämmtlich aufgenommen wurden.

Rom den 20. Mertz 1756.

HochEdelgebohrner
Hochzuehrender Herr Commercien-Rath.

Ich bin E. HochEdelgeb. verbunden für das Schreiben an Sgre
Monaldini1). Es hat sich derselbe zu allen Diensten erbothen, und
der Zutrit in dessen Handlung, wo man eine Gesellschaft hiesiger
Gelehrten trift wird mir sehr nützlich seyn. Ich wünsche dass meine
zwo letzten Schriften2) das Glück der ersten erhalten. E. Hoch-

*) Der Buchhändler Venanzio Monaldini kommt sonst in Winckelmann's Briefen
nicht mehr vor; dieser trat bald darauf in eine enge und dauernde Verbindung' mit
dem Buchhändler Pagliarini, bei dem er ebenfalls eine „Gesellschaft hiesiger Ge-
lehrten" treffen konnte. Ueber solche Conversationen vgl. meine Biographie Winckel-
mann's II, 1, 118.

2) Die „zwo letzten Schriften" sind das „Sendschreiben" und die „Erläuterung",
welche er auf die Erstlingsschrift über die Nachahmung, Dresden 1755, folgen liess.
Das eine war ein Scheinangriff auf seine eigene Schrift, die andere eine Vertheicli-
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