Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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Edelgeb. werden wissen, dass sie übersetzt in dem Journal etranger
erschienen; ich wünschte dass man die Uebersetzung besonders ge-
druckt hätte. Ich arbeite itzo an ein kleines Werck, welches der
Vorläufer zu einem grössern werden soll *): aber diese kleine Arbeit
erfordert an ein halb Jahr Zeit, um ihr den möglichen Grad der Voll-
kommenheit zu geben: ich bemühe mich ein Original zu machen,
in welchem alles das meinige ist. Während dieser Arbeit werde ich
weniger beträchtliche Arbeiten die Hand legen, zu welchen mir die
Nachforschung bey der ersten Gelegenheit giebt. Ich wünschte den
Franc. Junium de Pictura veterum2) zu haben und wenn es möglich
wäre, ohne grosse Transportkosten.

Sr. Hochwürden haben sich erboten für Uebersendung etlicher
Exemplare meiner Schrift zu sorgen: ich wünschte ein halb Dutzend
und zwar von denen auf gut Papier um auch künftig in Neapel
welche überreichen zu können.

Ich werde mich bemühen Catalogo aufzusuchen, und durch H.
Monaldini abgehen zu lassen. Dieser hat mir gesagt, er habe Ihnen
des Venuti Widerlegung der Schrift von Marq. ä"Argens3) übermachet.

gung gegen jenen. Der Kupferstecher J. Gr. Wille in Paris, der die „Nachahmung"
durch den Maler Dietrich erhalten, hatte die Uehersetzung in Arnaud's Journal
etranger vermittelt.

*) Das „kleine Werk, welches der Vorläufer zu einem grösseren werden soll",
war die „Beschreibung der Statuen im Belvedere". Diese Schrift, aus deren ersten
Entwurf, der mit Mengs zusammen gearbeitet worden war, ich Mittheilungen ge-
macht habe in den Preuss. Jahrbüchern v. 1871, hat später ihren wesentlichen In-
halt an die „Kunstgeschichte" abgegeben.

Das „grössere Werk" sollte den Titel bekommen: „Vom Geschmack der grie-
chischen Künstler"; er berechnete die Vollendung auf mehrere Jahre und glaubte
viele Schriftsteller dafür durchlesen zu müssen; mit Pausanias hatte er begonnen.
Aus ihm ist der theoretische und ästhetische Theil der Kunstgeschichte hervorge-
gangen. Vgl. den an demselben Tage geschriebenen Brief an den Bibliothekar
Franke in Nötlmiz, in den Werken, und a. a. O. §. 9 u. 10.

2) Fr. Junius de pictura veterum 1637 (der Künstler - Catalog erschien 1694),
eine elegant geschriebene, mosaikartig aus antiken Vorschriften, Aussprüchen,
Anekdoten und Notizen zusammengesetzte Kunstphilosophie, war eins der ersten
Bücher, die sich Wmckelmann in Kom anschaffte. Das Buch befriedigte ihn in der
Folge wenig: man merke ihm nur zu sehr an, „dass Junius Rom nicht gesehen, und
die Kunst nicht sein Werk gewesen". Winckelmann legte grossen Werth auf äussere
.Schönheit seiner Bücher.

3) Ridolfino Venuti's Widerlegung von d' Argens' Reflexions critiques sur
les differentes ecoles de peinture erschien 1755 unter dem Titel: Bisposta alle riflessiöni
critiche etc. bei dem oben genannten Venanzio Monaldini. dArgens' Schrift
war eine lächerliche Parallelisirung der italienischen und französischen Maler, Ra-
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