Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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läge. Erst durch den Aufschwung und die bauliche Umgestaltung
in neuester Zeit, seit Pola der Sitz der k. k. österr. Kriegsmarine
mit grossartigen Werkstätten und Festungsanlagen geworden ist,
fangt es an ein anderes Gepräge zu bekommen. Unter diesen Ver-
hältnissen ist es nothwendig, auf die alte Stadtmauer, welche jetzt
immer weiter demolirt wird und unter Neubauten verschwindet, die
Aufmerksamkeit zu richten. Aus älteren Plänen und malerischen
Ansichten lässt sie sich ihrer Richtung nach verfolgen. Zu dem
genannten Zwecke blieben bisher unbenutzt einige Stadtpläne aus
den Jahren 1764 und 1834 (deren Durchzeichnung ich Herrn Linien-
schiffsfähnrich Heinrich v. Benigni verdanke) und andere Pläne und
detaillirte Originalaufnahmen im Besitze des Herrn Architekten Dr.
Giovanni Righetti in Triest.

Während von dem Verlaufe des nördlichen und westlichen Theils
der Stadtmauer die heutige Uferstrasse eine im Grossen und Ganzen
zutreffende Vorstellung gibt, sind wir für die Bestimmung des süd-
lichen und östlichen Theiles derselben fast ausschliesslich auf die
alten Pläne angewiesen. Das gegen das Ufer hin laufende Ende
der östlichen Stadtmauer hätte noch vor kurzer Zeit auf Grund
der für die Fundamentirung der neuen k. k. Infanteriecaserne vor-
genommenen Ausgrabungen bestimmt werden können. Dieselben
fanden statt an dem Platze, wo die östliche mit der nördlichen Mauer-
strecke die Ecke gebildet haben muss. Nach der mündlichen Aus-
sage des Bauleiters so wie der Arbeiter, stiess man dabei auf an-
sehnliches Mauerwerk von so fester Construction, dass man es mit
Pulver sprengen musste. Auch eine Menge von architektonischen
Ueberresten, Säulentrommeln, Capitäle, eine Fülle von Ziegelsteinen,
nebst vielen Inschriften, auf welche ich unten noch zurückkommen
werde, kamen bei diesen Erdarbeiten zum Vorschein; eine topogra-
phische Aufnahme hat jedoch leider nicht stattgefunden.

Bedauernswerth ist die erst neuerlich fast zu Ende geführte
Vernichtung der Ueberreste eines der bedeutendsten römischen Ge-
bäude in Pola, des Theaters. Das heutige Pola lehnt sich, wie
schon das römische, hauptsächlich an drei Hügel, S. Martino, an
dessen Abhänge die Arena liegt, den Schlossberg und den Monte
Zaro. An dem südlich gelegenen Monte Zaro war vor einiger
Zeit in der Bodengestaltung noch ganz deutlich der Halbkreis zu er-
kennen, den das Theater bildete. Man weiss aus seinem eigenen
Geständnisse, dass der Architekt Antonio Deville im 1632, als er
das Castell zu Pola im Auftrage der Republik Venedig zu bauen hatte,
die Ueberreste dieses Theaters, die vor ihm durch ein gewaltiges Erd-
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