Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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beben auseinander gerissen waren, als Baumaterial verwendete. Immer-
hin waren auch nach dieser Zerstörung beträchtliche Reste geblieben;

auch diese fielen im Jahre 1875 in Folge vorgenommener Neubauten
der Vernichtung anheim. Noch heutzutage, wenn man von der
Spitze des Hügels die Gegend betrachtet, am Abhänge die Rundung
des Theaters sich vorstellt und etwas westlich davon auf das Meer
mit den im Hintergründe gelegenen Hügeln der Valle lunga und Volle
monumenti blickt, begreift man deutlich, wie schön und dem Ge-
brauche der Alten gemäss diese Gegend gerade zu einem Theater-
bau verwendet wurde. Die Abhänge des Hügels lieferten den na-
türlichen Boden zur Anbringung der Zonen und Stufen, die Nähe
eines Canals begünstigte die ganze Anlage. Nunmehr bleiben für
uns als Zeugen derselben die Aufnahmen Serlios (libri d' architet-
tura 1545. III B. cap. IV. p. 24. 25 der franz. Ausgabe) und die
wenigen Spuren des alten Gebäudes, die noch heute Dank der
Einsicht des Herrn Gendarmerie - Rittmeisters Hermann Schräm
zu verfolgen sind. In den Kellern seiner hier erbauten Villa liegen
noch einige Stücke des alten Fussbodens, im Garten einige Reste
der Halbkreise und einige Säulen und Capitäle; im städtischen
Museum endlich eine Inschrift C. I. L. V, 8147, welche angeblich
von einem gewaltigen Steinblocke bei den Pilastern, welche die Vor-
derbühne bildeten, abgesägt wurde. Ausserdem war die Fülle des vor-
handenen Materials auf den anstossenden Grundstücken noch zur Zeit
als ich Pola besuchte, so gross, dass die Gegend den Eindruck von
reichhaltigen Steinbrüchen machte. — Etwas entfernt vom Theater
gegen Osten zu, stiess der Buchdruckereibesitzer in Pola Herr
Gregorio Seraschin beim Aufbau seines Hauses auf römisches
Mauerwerk. Er liess die Stelle aufdecken, eine Aufnahme davon
anfertigen und Herr Tomaso Luciani zeigte in der periodischen
Zeitschrift La Provincia delV Istrio Nr. 20. Capodistria 16. Ottobre
1876 diesen Fund an. Die Mittheilung eines von dem Techniker
Herrn G. Fröhlich angefertigten Planes verdanke ich nebst anderen
Notizen demselben Herrn Seraschin, ohne dass jedoch daraus ein
sicherer Anhalt zur Benennung des hier einst vorhanden gewesenen
Gebäudes sich gewinnen Hesse.

Auch die nächste Umgebung der Stadt birgt noch Reste aus
der Römerzeit. Das Hügelland, welches den nördlichen Theil des
Hafens begrenzt, wird jetzt zu militärischen Zwecken ganz verbaut
und es sind speciell die Valle lunga, Valle monumenti und Valle
Zonchi genannten Gegenden, wo die meisten Bauten ausgeführt werden.
Aus Valle Zonchi und Valle monumenti wurden gerade während
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