Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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meiner Anwesenheit in Pola Entdeckungen gemeldet; ich fand nur
Zeit die zweitgenannte Stelle zu besuchen. Von den Ausgrabungen
in Volle monumenti wurde ich schon durch Herrn Gregorutti in
Triest unterrichtet, der damals gerade das Material zu seinem
später im Archeografo triestino 1876 erschienenen Aufsatze La
fullonica di Pola ecl iscrizioni inedite Polensi sammelte. Die Ueber-
zeugung, es hätte dort eine Fullonica gestanden, konnte ich an
Ort und Stelle nicht mehr gewinnen, da die meisten aufgedeckten
Räumlichkeiten schon halb zerstört, die transportablen Wannen ver-
schleppt waren. Man ist deshalb auf die von Herrn Delneri auf-
genommenen und von Dr. Gregorutti a. a. O. publicirten Pläne
angewiesen, aus denen freilich eine Gesammtvorstellung des Baues
kaum zu gewinnen sein dürfte. Auch die Hoffnung auf weitere auf-
klärende Ausgrabungen an dieser Stelle muss man fallen lassen, da
sowohl die aufgedeckten Gebäudecomplexe, als auch die zona da
scavare sehr rasch zum Gewinne von Material und zur Boden-
regulirung umgearbeitet werden sollten.

Ein zweiter Ort in der Umgebung von Pola , wo ich Spuren
aus der Römerzeit noch besichtigen konnte, ist das südlich gelegene
Medolino. Die Spitze der istrischen Halbinsel wird von einer
Landzunge gebildet, auf welcher sich das Dorf Pro montore befindet.
Der östliche Theil von Promontore bildet mit einer kleineren
gegenüber liegenden Landzunge, MonteCastello genannt, die Ein-
fahrt zu dem Hafen von Medolino. Derselbe wird heutzutage nur zur
Zeit der Stürme von den Schiffen besucht, zur Römerzeit aber scheint
der Platz mehr bedeutet zu haben. Mauerwerk mit Mosaikfuss-
böden, das bei der Ebbe sichtbar unter dem Wasser hervortritt,
bezeugt römische Ansiedelung.

Die einzelnen Antiken, welche noch heutzutage in Pola
vorhanden sind, liegen theilweise zerstreut, theilweise sind sie
in dem städtischen Museum und in der Privatsammlung des
Herrn Fragiacomo vereinigt. Aeltere Aufzeichnungen, wie die von
Ireneo della Croce für Triest und von Bertoli für Aquileja ge-
macht worden sind, fehlen vollständig für das polensische Gebiet.
Auch aus neuerer Zeit fehlt es an Zusammenstellungen des ar-
chaeologischen Materials in Pola, während für den epigraphischen
Theil im C. I. L. die Grundlage geschaffen worden ist. Der
alte Tempel der Roma und des Augustus wurde vor ungefähr
20 Jahren auf Antrieb des verstorbenen Giovanni Carrara zum
Antikenmuseum eingerichtet. Aber seit dem Tode des Stifters wurde
dasselbe zu einem Trümmermagazin, Aussen dienten halb ver-
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