Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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grabene Statuenreste als Unterlage für Reliefplatten, welche ihrer-
seits wieder von Inschriftsteinen verdeckt Avaren. Alles blieb
hier jeder Unbill des Wetters und der Strassenjugend preisgegeben.
Kaum besser war das Schicksal der im Innern des Tempels auf-
bewahrten Antiken, durch deren unordentliche Aufstellung man ver-
hindert war, mehr als einen geringen Theil derselben betrachten
und benützen zu können. Unter diesen Umständen war es ausser-
ordentlich dankenswerth, dass der Bürgermeister Herr Dr. Angelo
Demartini mich durch Beistellung einer Anzahl von Arbeitern
in Stand setzte, die Hauptmasse des Antikenvorrathes einiger-
massen in Classen zu sondern und zu ordnen. Zehn Tage brachte
ich damit zu. Die Inschriften sind nun wenigstens besser auf-
gestellt, die wichtigsten Reliefs und sonstigen Bruchstücke in
günstiges Licht gebracht. Bei dieser Arbeit konnte ich eine ge-
nauere Revision des vorhandenen epigraphischen Materials an der
Hand des C. I. L. vornehmen. Dabei bemerkte ich, dass die
Nummern 21. 57. 84. 101. 175. 201. 211. 280. 285. 293. 296 im
Museum nicht mehr vorhanden sind, dagegen die Nummern 32 und
291, nebst den fragmentirten 73 und 282 sich jetzt daselbst befin-
den. Nr. 42, welches seit der Zeit des Marino Sanuto (1483) für
verschwunden galt, fand ich unter einem Trümmerhaufen versteckt
wieder.

Unter den übrigen, dort von mir abgeschriebenen Inschriften,
hebe ich als die wichtigste die von Kandier, Kenner und Gregorutti
herausgegebene, jetzt im C. I. L. V, 8140 befindliche hervor, die
zum ersten Male den vollen Namen der Colonia Julia Pola Pollentia
Herculanea bietet.

Bei Gelegenheit des früher besprochenen Casernenbaues wurden
innerhalb der letzten drei Jahre 11 Inschriften gefunden, die gegen-
wärtig im k. k. Fortificationsbauhof provisorisch aufgestellt sind.
Dieselben wurden von Gregorutti a. a. O. p. 8 ff. nach Collation mit
meinen Abschriften edirt.

Aus den Ausgrabungen bei Volle monumenti rühren drei In-
schriften her. welche ebenfalls von Gregorutti a. a. O. p. 2 u. 3 her-
ausgegeben wurden. Aus der Privatsammlung des Herrn Fragia-
como ergaben sich fünf unedirte Inschriften.

Für das Instrumentum Polense konnte ich nur 10 verschiedene
Stempel auf Ziegelsteinen und drei Thonlampenstempel zusammen-
bringen. Ausser einer Anzahl von Amphoren im Museum, ferner
wenigen kleinen Bronzen und Münzen in der Sammlung des Herrn
Fragiacomo fehlen Anticaglien in Pola gänzlich, da dieselben
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