Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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beständig verschleppt werden und im Museum auch nicht einmal
eine Abtheilung für sie gebildet ist.

Unter den Steinsculpturen sind folgende zu erwähnen:

Im Museum.

Reliefplatte eines Sarkophags, 1'07 h., 092 br., eine Sphinx
darstellend (abgebildet auf dem Titelblatte bei Cassas a. a. O. und
ebenfalls bei Aliason Picturesque vieivs of antiquities of Pola. Lon-
don 1819). — Sarkophagplatte, 119 h.j 0*81 br. und 028 tief,
einen bärtigen Triton darstellend; er schwimmt auf der See-
oberfläche, bläst das Horn und hält in der L. ein Steuerruder, hinter
ihm verfolgt ein Delphin einen kleineren Fisch. — Reliefplatte von
der Schmalseite eines Sarkophages mit der Darstellung eines Reiters.

— Zwei Reliefs, welche je einen stehenden Atys in der üblichen
Stellung, d. h. die Beine gekreuzt und den Kopf in die L. gestützt,
zeigen sind gewiss Seitenflächen von Grabsteinen. —■ Reliefplatte
aus Kalkstein, l'lO h., 0"50 br., beiderseits abgebrochen, von guter
römischer Arbeit. Eine Frau läuft mit vorgestrecktem linken Arme
nach rechts hin, sie trägt einen Kopfschleier, einen Chiton mit
Aermeln und Ueberfall und einen nach rückwärts fallenden Mantel.

— Mehrfach vorhanden sind weibliche Grewandfiguren von mittel-
mässiger Arbeit, in spärlicherer Anzahl einige Portraitköpfe.

Unter den mit Verzierungen versehenen Inschriftsteinen nimmt
eine hervorragende Stelle die Isidis imperio gesetzte Ära des Q.
Lutatius Jucundus (C. I. L. V, 10) ein. Die von römischer
Gröttermischung zeugenden, auf drei Seiten der Ära vertheilten At-
tribute erwarten noch eine endgiltige genaue Untersuchung und Pu-
blication. Auf der Vorderseite ist unter weniger leicht zu benen-
nenden Bildern kenntlich ein Sistrum, eine Lyra, ein Delphin und
eine Ente (?). Auf der r. Seite unter Anderem ein beflügelter Eros,
der einen Hund am Bande hält, unter ihm ein Phallus und ein
kurzes Schwert (?), weiter oben Zange und Hammer, ein Aehren-
bündel (?), ein Spiess (?), ein Schweinskopf, ein Schild mit Grorgo-
neion, ein Halbmond. Auf der L Fläche sind die Zeichen am besten
erhalten: zwei gekreuzte Doppeläxte, die phrygische Doppelflöte,
eine Syrinx, zwei Amphoren, zwei an einem Bande aufgehängte
Tympana, eine Art Kamm (?), ein Ruder (?), ein Steuerruder auf
einer Kugel, ein von der Schlange umwundener Stab und schliess-
lich ein Caduceus. — Ein viereckiger Springbrunnen, 0'35 h.,
0'60 br. und tief. Auf jeder der vier Seitenflächen eine Vertiefung,
welche zweimal mit Muscheln und stufenartigen Linien ausgefüllt
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