Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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ist, auf zwei Seiten aber mit je einer ruhend liegenden Figur, und
zwar das eine Mal mit einem nackten jungen Manne, das andere
Mal mit einer weiblichen Figur, deren Unterleib vom Gewände um-
hüllt ist. Auf jeder Seite unterhalb dieser liegenden Figuren sind
zwei Nischen angebracht; in jeder ein nackter Knabe, der auf der
r. Schulter ein Gefäss trägt.

Unter den architektonischen Bruchstücken gibt es
zahlreiche Friesstücke, Säulentrommeln und Capitäle, Ueberreste eines
Doppelbogens, zwei männliche Gebälkträger u. s. w. Leider wird die
Provenienz dieser Stücke kaum mehr festzustellen sein.

Von zerstreuten antiken Sculptur- und Architekturfragmenten
bemerkte ich die meisten Stücke im k- k. Fortificationsbauhof, wo
die Funde beim erwähnten Casernenbau vorläufig aufbewahrt werden,
andere im Garten des Herrn Fragiacomo, in der in Riva del ca-
stello gelegenen Osteria al Gallo, und im sogenannten Antico fondo
Ciscutti in der Via dell' arsenale.

III. Aquileja.

Nicht wie in Pola stehen in Aquileja bedeutsame Bauten noch
aufrecht da, aber der an Funden bisher trotz aller Ausbeutung un-
erschöpfte Boden macht die Stelle der alten Stadt zu einer Fund-
stätte römischer Alterthümer ersten Ranges in Oesterreich. Musste
ich in Pola von bedauernswerther Zerstörung der Alterthümer spre-
chen, so bietet Aquileja den Anlass hiezu leider in noch weit höherem
Grade. Bei fast immer planlosen Ausgrabungen, zu welchen neben
der Aussicht auf Gewinn von Bausteinen auch der Zweck der Acker-
verbesserung treibt, durchwühlt der Cavatore das ihm übergebene
Grundstück und macht es antiquarisch zur tabula rasa. Für Er-
haltung oder doch für eine gewissenhafte Planaufnahme alter Ge-
bäude oder sonstiger wichtiger Monumente, die nicht leicht trans-
portabel sind, ist, wo nicht die Regierung eingegriffen hat, niemals
in Aquileja gesorgt worden.

Erst durch die Aufdeckung grösserer Theile der Stadtmauer in
neuerer Zeit ist für die topographische Untersuchung ein festerer
Anhaltspunkt geboten. Namentlich ist auf Grund dieser Ausgra-
bung die Ichnographia Aquilejae romanae et patriarchalis, Wien 1865,
von Steinbuechel und Baubella angefertigt worden

') Als vielleicht bei künftigen topographischen Untersuchungen nützliches Ma-
terial führe ich hier folgende Pläne von Aquileja an:
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