Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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dem rechten Winkel, den die roggia (Lei molino (Li Aquileja beim
Beginne ihres westlichen Laufes bildet, befinden sich auf den hier
liegenden Grundstücken des Herrn Francesco Mastrella noch heute
aufgedeckte Grundlagen alter Gebäude. Dass Herr Mastrella hier
viele bleierne Röhren gefunden haben will, stimmt zu der Ansetzung
eines Wasserreservoirs an dieser Stelle in der Ichnographia (-= Kenner
Nr. 24). Einige architektonische Bruchstücke und die Inschrift
C. I. L. V, 8428 lagen zur Zeit meiner Besichtigung dieses Platzes
noch da. ,

An der Hauptstrasse, welche von Belvedere nach Terzo und
noch weiter führt, gleich bei der Brücke über die roggia del molino
di Monastero, ist im Kenner'schen Plane die Fundstelle Nr. 7 be-
zeichnet. Hier liegen die Felder des Herrn Giovanni Pasqualis
da Visco, wo gerade zur Zeit meines Aufenthaltes die Cavatori be-
schäftigt waren. , Ein ausgedehnter Ruinenplatz an der Seitenstrasse,
die zum Dome einerseits und bis zum ehemaligen Arco S. Feiice
andererseits führt, sollte von seinen Trümmern gereinigt werden.
Ich sah die gut erhaltenen Wände mit frisch aussehendem Bewurf
überzogen, die Fussböden und die unterirdisch laufenden Canäle,
nebst gewaltigen Architekturfragmenten, Alles durchwühlt, Alles
einer für immer vernichtenden Zerstörung preisgegeben. Die Leute
erzählten mir, was sie selbst bereits zerstört hatten und wie viel
schon vor dieser Zeit auf diesen ergiebigen Grundstücken vernichtet
worden war. Unter den vielen übereinander liegenden Fragmenten
sah ich auf einem grossen Steinblocke die Inschrift C. I. L. V, 8521
eingemeisselt.

Ueber die verschiedenen von Aquileja auslaufenden römischen
Strassenzüge, sowie ferner über die Lage der alten Isonzobrücke,
deren Ueberreste im Glockenthtirme von Campolongo, theils auch
im Museum zu Triest sich befinden (vgl. Gregorutti a. a. O. S. IX),
habe ich aus Mangel an Vorarbeiten und technischer Mithilfe auf
eine Untersuchung an Ort und Stelle verzichten müssen.

Ich gehe nun zum zweiten Theile meiner aquilejensischen Studien,
zur Betrachtung des heutzutage noch vorhandenen archäologischen
und epigraphischen Materials über. Während für die Erhaltung
baulicher Ueberreste bis jetzt in Aquileja von Privatpersonen niemals
gesorgt wurde, können wir ein gewisses Interesse für das Sammeln
und Aufbewahren einzelner Fundstücke seit dem vorigen Jahr-
hundert nicht verkennen. Seitdem Giandomenico Bertoli (1676
—1755) durch das Anlegen einer Sammlung das erste Beispiel
gegeben hatte, folgten später die Herren Girolamo Moschettini
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