Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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ebenerdigen Räumlichkeiten) für den Besucher fast unzugänglich.
Im Jahre 1874, zur Zeit meines ersten Aufenthaltes in Aquileja,
konnte ich durch die Gefälligkeit des Herrn Administrators Can-
dussi die Sammlung der Anticaglien, welche im ersten Stockwerke
des Palastes aufbewahrt wird, besichtigen und dabei ein hand-
schriftliches, von Steinbüchel verfasstes Inventarium benutzen; die
knapp mir zugemessene Zeit verhinderte mich damals, eine genaue
Revision und Aufzeichnung der einzelnen Objecte vorzunehmen.

Der Sammlung der Inschriften und der grösseren Sculpturen
dagegen, die grösstentheils in dem ebenerdig liegenden Museum
und im Gehöft aufgestellt ist, konnte ich wiederholt (im Jahre 1874
und 1876) eine grössere Aufmerksamkeit widmen. Das C. I. L.
V. verzeichnet ungefähr 130 Nummern. Einige der ehemals Ber-
toli'schen Inschriften finden sich nicht mehr, dagegen sind n. 794.
n. 1271 nebst 25 Inschriften neueren Fundes hinzugekommen. Dass
die eine darunter (C I. L. V. n. 8239) einem Grabsteine in Form
einer Cista mystica angehört, ergibt sich aus der Zusammenstellung
bei Conze in den römischen Bildwerken einheimischen Fundortes in
Oesterreich, II. Heft, Wien 1875, S. 9. Anm. 1.

Die Sculpturen sind ziemlich zahlreich vertreten, leider aber
nicht zum Besten aufgestellt. Die aus Bertoli's Nachlass stam-
menden Reliefs sind in den Wänden eingemauert, während der
neuere Zuwachs entweder einfach auf dem Fussboden oder auf
einem hochgestellten Gesimse aufgehäuft ist. Bekannt sind die von
Bertoli in seinen Antichitä di Aquileja profane e sacre I, Venezia
1739, abgebildeten Reliefs, wie n.VI, S. 8; n. XDL S. 25; n. XXIV,
S. 33 (= Müller-Wieseler D. A. K. Taf. LXXIII. 936); n. XXVI,
S. 36; n. CCCXLJX, S. 314. Andere hervorragende Stücke sind
in dem zweiten unedirten Bande von Bertoli und in den Original-
zeichnungen des Malers Leopoldo Zuccolo (C. I. L. V. p. 82,
XXV), von welchen ein Theil jetzt in der Biblioteca civica zu Udine
aufbewahrt wird, enthalten.

Ich begnüge mich hier, einzelne Ziffern aus dem Inventarium
von Steinbüchel anzuführen, die eine Vorstellung der Reichhaltig-
keit dieser Sammlung gewähren können. Von bronzi e ferro gibt
er 76, von oggetti in terra cotta 126, von oggetti in marmo, in ver-
schiedenen Theilen des Gebäudes untergebracht, etwa 250 Nummern
an. Ausserdem noch vetri antichi, oggetti d'avorio, cose egizie, pesi
mosaici, unter den letzten das schöne, von O. Jahn in den Denk-
schr. der k. k. Akad. d. Wiss. XIX. Bd. Wien 1870 Taf. X her-
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