Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

Seite: 68
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Gebäude wurden vierzig Grabstätten gefunden. Dieselben zeigen sämmtlich die
Sarkophagform, sind aber von dreierlei Construction. Es sind Sarkophage, die mit
dem Deckel aus zwei Stücken bestehen, oder solche, deren Wände aus einzelnen,
aufrecht stehenden Steinplatten gebildet werden und die an einer Schmalseite durch
einen Steinschuber in Falzen geschlossen wurden, oder endlich gemauerte, geputzte
und bemalte Sarkophage.

Der grösste Theil der Gräber steht eng zusammengedrängt im Inneren des auf-
gedeckten Gebäudes. In der nach Norden gekehrten Nische fand sich eine Stufen-
anlage mit vorgesetzten, an den erhaltenen Basen zu erkennenden Säulenstellungen.
In dem übrigen Theile des Gebäudes, der sich der zweiten, nach Osten gekehrten
grösseren Nische oder Apsis wie das Querschiff einer Basilika vorlegt, wurden die
Sarkophage in drei Etagen über einander liegend angetroffen. Bei der Aufdeckung
stiess man zuerst auf ein Steinpflaster mit Steingräbern darauf, bei genauerer Unter-
suchung zeigte sich, dass dieses Pflaster über einem mit Sarkophagen erfülltem
Räume errichtet war; die Beseitigung des Pflasters ergab weiters, dass auch unter
dieser zweiten Reihe Gräber, welche auf einem schönen, in geometrischen Mustern
ausgeführten Mosaikboden ruhten, neuerdings gemauerte Gräber sich befanden.

Die Sarkophage haben keine figürlichen Reliefs, aber in mehreren Fällen werth-
volle, durchwegs christliche Inschriften. Einer der am höchsten stehenden trägt die
Jahreszahl 403. Das Material ist gewöhnlicher Sandstein, bei einem reich orna-
mentirten Stücke Marmor. Ausser den Sarkophagen fand sich auch ein gut er-
haltener Sarg aus Blei.

Die Bedeutung der gemachten Aufdeckung wird dadurch erhöht, dass neben
den schon erwähnten, bis zu ansehnlicher Höhe erhaltenen Umfassungsmauern der
baulichen Anlage auch viele Reste der Architektur eines monumentalen Gebäudes
gefunden wurden. Bis jetzt liegen sieben monolithe Granitsäulenschäfte und eben
so viele gut erhaltene und schöne korinthische Capitäle neben anderen Fragmenten
des Aufbaues zu Tage. Zu den genannten Fundobjecten kommen neben anderen
kleinen Dingen noch 20 Inschriftsteine.

So weit die Aufgrabung jetzt gediehen ist, darf man die Vermuthung aus-
sprechen, dass hier der älteste christliche Friedhof Salona's gelegen habe und dass
die baulichen Reste auf eine von Ost nach West orientirte Basilika, vielleicht die
hier errichtete Märtyrerkirche, hinweisen. Dass es sich um ein grosses Gebäude
handelte, zeigen auch die Fragmente desselben, welche man allenthalben in der Um-
gebung Salona's, so an der Loggia in Trau, an Gebäuden Spalato's u. s. w. ver-
wendet findet. Von der im kommenden Frühjahre fortzusetzenden Arbeit dürfen
wichtige Aufschlüsse über die ganze Anlage und neue Funde an Sarkophagen er-
wartet werden.

Amulet aus Regensburg.

Herr Ingenieur Beischlag in Regensburg leitete im Jahre 1869
eine Ausgrabung auf dem römischen Begräbnissfelde, welches sich
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