Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

Seite: 69
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von Regensburg durch den Ort Kumpfmühl nach dem Bahnhofe
hinzieht (vgl. Sitzungsber. der k. bair. Akad. d. Wiss. zu München.
Phil.-hist. Cl. 1874, S. 195). Nach Hinwegräumung des 1'/« Fuss
hohen Schuttes stiess man auf eine 9 Fuss mächtige Cultur-
schicht mit Aschenkrügen, Lampen, römischen Münzen (Antoninus
Pius, Macrinus, Alexander Severus), Eisen- und Bronzeresten; tiefer
unten zeigte sich das Terrain leer, erst im Felsboden lagen gut er-
haltene Gerippe mit Bronzeringen an den Armen, Glasperlen am
Halse, ohne Steinsärge oder Aschenurnen. Auf dem Brustkasten
eines dieser Gerippe, also so wie es einst getragen war, wurde ein
Amulet gefunden, bestehend aus einer silbernen cylinderförmigen
Hülse, 0'03 lang und etwa 0*007 im Durchmesser* zwei um die
Hülse gelegte Silberreifen sind mit Oehren zum Anhängen versehen.
Im Inneren befindet sich eine stark oxydirte Kupferrolle; ausserdem
steckten aufgerollt darin ein dünnes Silber- und ein Goldblättchen
(0'02 breit und 0 035 resp. 0'045 lang). Man hat diese herausge-
zogen und mittelst eines Messerrückens zu glätten versucht, wobei
leider die sonst ausserordentlich wohlerhaltene feine Schrift auf
beiden Blättehen stark beschädigt worden ist.

Da an dieser Stelle eine facsimilirte Publication zur Zeit nicht
möglich ist, ohne eine solche aber über die Richtigkeit einiger von
mir versuchten Entzifferungen nicht zu entscheiden ist, so begnüge
ich mich anzuführen, dass von der Mitte der Zeile 12 bis Zeile 15
(inclusive) des Goldblättchens folgende Lesung sicher ist: XMOY.

<DAP || 0IAQ.IABOX.MAM. . jj YEQ0.I AQ.CABAß. || AAQN6AI.

C O O M .. . . , in welcher mehrfach bekannte Bestandteile anderer
Amuletformeln wiederkehren.

Auf dem Silberblättchen sind die ersten fünf Zeilen in grösserer
Schrift als das Uebrige und mit einem spitzeren Instrumente einge-
ritzt. In Z. 4 halte ich die Auflösung X[picrxou] ['IJnaoö für wahr-
scheinlich.

Ein Analogon für die äussere Form unseres Amulets bietet ein
aus Syrien stammendes Exemplar im Pariser Münzcabinet Cha-
bouillet Catalogue des camees, pierres grames de la bibliotheque imp.
n. 2693). Eine ähnliche Kapsel von Gold in etwa halber Grösse
sah ich in der Dresdener Antikensammlung. Ein in einer Bulla be-
findliches Silberblättchen bespricht Fröhner Sur une amulette Basili-
dienne inedite du Musee Napoleon III. Caen 1876. Die Inschrift
eines papierdünnen Goldblättchens publicirte Bartolotti spicilegio
epigrafico Modenese n. 275 in Memorie della R. Accademia di scienze
in Modena XI. Ueber die Anwendung des Goldes und Silbers bei
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