Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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rung gedacht, an Thetis, die den kleinen Achill in das Styxwasser
taucht, aber um der Aehren im Haare willen und weil am Boden
nicht Wasser zu erkennen sei, weist er diesen Gedanken ab. Wir
sahen jedoch, wie gerade diese Dinge nach dem besten Zeugnisse
der noch nicht unter Einfluss einer Deutung gemachten Zeichnung
auf dem Relief keineswegs klar ausgesprochen sein dürften. Sodann
kommt das Grazer Relief entscheidend in Betracht, in dem Niemand
eine von dem Relief von Champlieu verschiedene Darstellung an-
nehmen wird. Auf dem Grazer Relief ist unzweifelhaft mit der aus
runder Oeffhung abwärts fliessenden Wellenmasse kein Feuer ge-
meint. Für beide Reliefs muss also die auch sonst in jeder Be-
ziehung wahrscheinlichere Deutung auf Thetis, welche den kleinen
Achill in das Wasser der Styx taucht, als gesichert gelten. Für
das Grazer Relief habe ich diese Erklärung bereits einmal, jedoch
nur gelegentlich und ohne alle Begründung ausgesprochen (Preuss.
Jahrb. 1871, S, 149).

Dieselbe Scene ist an einem dritten römischen Provinzial-Monu-
mente, an dem grossen Grabmale der Secundini in Igel bei Trier, mit
Recht von Otto Jahn (Jahrb. d. Vereins von Alterthumsfr. im Rhein-
lande XL 1847. S. 63 ff. Vgl. Archäol. Anzeiger 1866, S. 237*) er-
kannt worden. Dort ist das Wasser personificirt dargestellt, wie in
dem bekannten capitolinischen Relief kreise mit Scenen aus dem Leben
des Achilleus. CONZE

Fälschungen aus Aquileja,

Bei dem bedeutenden Handel, der seit langer Zeit mit Antiken
aus Aquileja getrieben wird, kann es kaum Wunder nehmen, dass
auch hier neuerdings Fälschungen antiker Monumente zum Vor-
schein gekommen sind. Dieselben rühren sämmtlich aus den letzten
Decennien her und man bezeichnet als ihren Urheber einen Stein-
metz aus der Umgebung Aquileja's. Es erscheint dies um so glaub-
würdiger , da sämmtliche mir vorgekommene Fälschungen den
Stempel einer und derselben Hand an sich tragen. Vorzugsweise
sind es Scenen aus dem Alltagsleben , welche jedoch in durchaus
unantiker Weise ausgeführt worden sind. Derart ist auf einer jetzt
in Terzo vorhandenen Reliefplatte 0T6 h. 0-13 br,, 0"05 d. die Dar-
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