Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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chische Arbeit hielt, war geneigt die römische Inschrift für einen
späteren Zusatz zu halten. Ohne dem Zeugnis eines so competen-
ten Augenzeugen zu nahe treten zu wollen, scheint es mir doch,
dass die Photographie der Vorderseite für diese Annahme keinen
sichern Anhalt gibt. Die Bildseiten verrathen in ihrer massvollen
Relief behandlung, ihrer einfachen Composition und ihrer malerischen
Behandlung des Beiwerks allerdings den Einfluss griechischer, spe-
ciell hellenistischer Kunst, doch enthält die Ausführung nichts was
gegen römische Entstehungszeit und gegen Gleichzeitigkeit mit der
Inschrift spräche. So viel wird richtig sein, dass wir es nicht mit
einer originalen Erfindung unseres Bildhauers, sondern mit der Nach-
bildung älterer Muster zu thun haben. Uebrigens widerlegt die
Photographie Mommsens Vermuthung, dass eine erste Zeile S(ilvano)
A(ugusto) S(acrum) ausgefallen sei; wenigstens stand sie nie auf der
Ära selbst1). Freilich findet sich unter den aquileiensischen Inschriften
nur eine einzige entsprechende, V, 921: M. Licinius M. f. ... | Celer
equo pu[bl]. \ in memor. L. C. . . . | L. f. Pal. Gi . . . . | trib. mil. . . . j
historia . .. | amici. Alle übrigen widmen solche in honorem oder in
memoriam errichteten Steine einer Gottheit, Belenus (744. 749), Diana
(772), Feronia (776), Venus (836), vor allen aber dem Silvanus
(821. 822. 824. 825. 827 — 833). Da nun von letzteren Inschriften
zwei (827. 832) den C. Statius Primigenius unserer Inschrift angehen,
die erste mit der Formel in memor(i,am), die zweite von Alypus ge-
setzte mit den gleichen Formeln und in Verbindung mit denselben
Männern wie unser Stein, so ist es in der That wahrscheinlich dass
auch dieser dem Silvan gewidmet war. Das konnte sich aber aus
dem Orte der Aufstellung, oder der Nachbarschaft ähnlicher Monu-
mente von selbst ergeben; wenigstens ist es eine misliche Annahme,
dass die Dedicationsformel S.A.8 etwa an einem Weihgeschenk
angebracht gewesen wäre, welchem unsere Ära als Basis gedient
haben könnte. Mommsen bemerkt über diese Aquileia eigenthüm-
lichen Steine, dass sie medium, quodammodo locum obtinent inter sa-
cros et sepidcrales, deo cuidam . . . dedicati in memoriam defunctorum,
honorem .. . swperstitum (zu 735). Priaposdarstellungen auf einem
dem Silvan gewidmeten Steine zu finden, kann nur natürlich schei-
nen, wenn man die nahe Verwandtschaft beider Götter erwägt. Aber
auch auf einem wenigstens theilweise dem Andenken eines Verstor-
benen bestimmten Denkmal darf Priapos nicht auffallen, da er in
einer Inschrift des ersten nachchristlichen Jahrhunderts geradezu
als custos sepulcri pene destricto deus bezeichnet wird und Priapos-

') Wie Hoernes jetzt auch am Original bestätigt findet.
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