Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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des Herrn Vassady aus Imecsfalva neben dem S. 33 veröffentlichten
Stempel: COH IBRAC auch die Variante: COH BRAC zeigen.
Beide Stempel kommen auch retrograd vor.

p. 181. Dorstadt.

Vor Besprechung der interessanten Funde, welche jüngst an
diesem Orte gemacht worden sind, halte ich es für nothwendig,
etwas über Lage und Umgebung Dorstadts vorauszuschicken.

Es steht wohl fest, dass der zweite dakische Strassenzug der
peutingerischen Tafel von Drobetae (Turn-Severin) durch den rothen
Thurmpass und von hier aus auf der in ihren Hauptpunkten nach-
gewiesenen Strasse bei Hermannstadt vorbei, zwischen Salzburg und
Kleinscheuren durch, über das Gebiet von Kleinpold nach Reuss-
markt führte. Ebenso beweisen bedeutende Funde, dass in Reuss-
markts nächster Umgebung, auf dem Grebiet des in türkischer Zeit
untergegangenen Dorfes Weisskirch eine grössere Römerstadt be-
stand, welche keine andere sein kann, als das auch auf Mommsen's
Karte zum dritten Band des C. I. L. daselbst angegebene Cedoniae.

Bei dieser Stadt aber gabelte sich der Weg, wie der Ravennate
ausdrücklich beweist, wenn er einmal sagt: juxta ipsam Cedoniam
est civitas, quae dicitur Burticum (Rav. 188, 19) und dann wieder
einen andern Strassenzug übereinstimmend mit der peutingerischen
Tafel von Apulum (Karlsburg) über Sacidaba nach Cedoniae führt.
(Rav. 188, 12—14.)

Die Lage von Burticum am Maros, 8 Milien oder 1"6 Meilen
von Karlsburg entfernt, steht nach Mommsen's Auseinandersetzung
(C. I. L. III. p. 225) zweifellos fest. Es befand sich diese Nieder-
lassung bei Burgberg auf dem rechten Flussufer gegenüber vom
heutigen Alvinz und die vom Ravennaten erwähnte Römerstrasse,
welche von Reussmarkt dahin zum Marosübergang führte, ist bei
Mühlbach und Langendorf noch deutlich erkennbar.

Der andere vom Ravennaten überlieferte Strassenzweig hat nach
der Angabe der peutingerischen Tafel von Reussmarkt bis Karlsburg
eine Strecke von 39 Milien oder 7*6 deutschen Meilen zurückzulegen
gehabt. Diese Angabe trifft aber ziemlich überein mit der natür-
lichen Entfernung, wenn wir annehmen, dass diese Strasse im Spring -
thale aufwärts führend zwischen den Orten Blutroth und Spring
die schwierige Wasserscheide überwand und in das Thal des kleinen
Szekäsflusses niedersteigend in die Kokelstrasse mündete, um mit
dieser vereint beim heutigen Väradja den Maros zu überschreiten
und Karlsburg zu erreichen.
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