Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

Seite: 117
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Von hier kamen zwei Statuen und ein Mithrasmonument in
unbekannter Zeit in den Besitz der Familie Lugäcs nach dem eine
Viertelstunde vom Fundort entfernten Dorstadt (ungar. Hoszutelke),
wo sie ein Anonymus am 16. Juli 1723 sah und Pfarrer Seiwerth
eine Beschreibung und Abschrift der Inschrift einsandte. Diesen
Bericht veröffentlichte Mommsen im C. I. L. III. nr. 968 p. 181.

Die daselbst genannten Sculpturwerke und einige von Seiwerth's
Berichterstatter nicht erwähnte befinden sich gegenwärtig im Besitze
des Stuhlrichters Teleki im nahegelegenen Dorf Konza, welcher sie
um einen geringen Preis von den Bauern Dorstadts erwarb.

Die erste 1'67 Meter hohe Statue, welcher Kopf und linker
Vorderarm fehlen, scheint nach der besonders sorgfältig gearbeiteten
Schärpe (cinctorium) zu sckliessen, einen hohen römischen Officier,
vielleicht gar einen legatus yropraetore vorzustellen, wozu auch das
übrige, vollkommen mit der Darstellung Traians und seiner Legaten
auf der Traianssäule übereinstimmende Costüm passt. Der auf der
rechten Schulter von einer Agraffe zusammengehaltene Mantel,
welcher über die linke Schulter und den Rücken der Figur herab-
fällt, wird von der rechten Hand etwas emporgehoben, was die Ein-
förmigkeit des Faltenwurfes wesentlich mildert. Auch dass der rechte
Fuss fest aufgesetzt wird, während das nachschreitende linke Bein
anmuthig gebogen ist, gibt der in den edelsten Verhältnissen dar-
gestellten Figur eine grosse Lebendigkeit.

Etwas derber ist die 1"90 Meter hohe Statue eines Soldaten
mit Tunika, Sagum und Cingulum, welche am Rücken flach zuge-
hauen ist, also jedenfalls architektonische Verwendung fand. Der
wohlerhaltene bärtige Kopf, dessen Haupthaar etwas manierirt be-
handelt ist, zeigt echt römischen Typus und ist von guter Arbeit.

Die dritte 1'50 Meter hohe, leider kopflose Statue, ist eine
vollkommen in die Palla eingehüllte weibliche Figur, welche einiger-
massen an die bekannte Statue der jüngern Agrippina erinnert und
wohl die Gattin des zuerst erwähnten Officiers sein mag. Ihre an-
muthige Form hebt sich aus dem meisterlich behandelten Falten-
wurf sehr lebensvoll hervor und künstlerisch scheint sie mir das
bedeutendste der zugleich mitgefundenen Bildwerke zu sein.

Ausserdem ist noch von einer vierten, ebenfalls weiblichen
Statue ein sehr beschädigtes, 75 Cm. hohes Fragment und von einer
fünften Statue ein stark verwitterter Kopf vorhanden.

Das Material der vier erstgenannten Sculpturen ist weisser
Marmor, das des zuletzt genannten Kopfes Sandstein.
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