Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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16. TIBCL IANVARIVS
AVG COL PATR-DEC I-
PICTVRAM PORTICVS
ET ACCVBITVM ■ ITEM
5) CL-VERVS-FILIVS EIVS
OB HONOREM DVPLI
PROPORTICVMETCVL sie
NAM ET FRONTALEM
EX SVO FECERVNT

Tib^erius) Cl(audius) Januarius aug(tistalis) col(oniae) patr(onus)
dec(uriae) primae piciuram porticus et aceubitum, item Cliaudius) Verus
filius eius ob honorem dupli proporticum et cid(i)nam et frontalem ex suö
fecerunt.

Der Schriftcharakter ist durchaus übereinstimmend mit dem
unter n. 18 mitgetheilten Fragment.

Ueber culina vgl. Festus p. 65 M.: culina vocatur locus, in quo
epulae in funere comburuntur*).

Ebendaselbst eine sauber ausgeführte Marmorara mit der In-
schrift :

17. i o M

AETERNO
Qj ATIVSANUM
AVGVST - COL
V ■ S ■ L ■ M -

J(ovi) O(ptimo) M(aximo) Aeterno Q(uintus) Atius Anthim(us)
august(alis) col(oniae) v(otum) s(olvit) l{ibens) m(eriio).

Auf einer geborstenen Marmortafel, welche mit den Trümmern
eines Bildwerkes, von welchem nur noch zwei vortrefflich gearbeitete
Beine von den Knieen abwärts zu erkennen waren, zusammen aus-
gegraben wurde, fand sich in sehr schönen Buchstaben folgende In-
schrift, die ich für das Schässburger Grymnasium erworben habe:

*) Das nach Analogie von pronaus, protectum u. a. regelrecht gebildete pro-
porticus ist Uebersetzung von irpoOTinov und bezeichnet einen Vorbau der Säulen-
halle. Frontalem (die Lesung ist nach Herrn Gooss' Mittheilung durchaus sicher)
würde verschiedene Deutungen zulassen, etwa = Vordach? Mahlzeiten in Heilig-
thümern werden oft erwähnt. O. B. — Zu culina vgl. die richtige Erklärung bei
Forcellini s. v. und die dort, wie auch bei Orelli zu n. 3302 und Uenzen index
p. 193 s. v. angeführten inschriftlichen Beispiele. Dedication eines porticus cum
aceuhüo: C. I. L. III, 4441. Ueber die Augustales dupliciarii vgl. Henzen im Bullett.
d. J. 1848 p. 57 und die Anmerkung zu Orelli-Henzen 7110. Der honor dupli wird,
so weit ich sehe, hier zum ersten Mal erwähnt. 0. H.
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