Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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schriftlicher Denkmäler gebildet, die, wenn auch künstlerisch grossen-
theils von untergeordnetem Werthe, doch als historische Zeugnisse
römischen Lebens in den Ostprovinzen eine gewisse Bedeutung be-
anspruchen. Noch jetzt steht, neu gefestigt durch die verdienst-
vollen Bemühungen eines einheimischen Alterthumsfreundes, das so-
genannte Heidenthor, fern von dem Lager, wol an der Grenze des
Stadtgebietes; Ruinen von weit sich ausdehnenden Anlagen sind
wiederholt in- und ausserhalb des Lagergebiete j zu Tage getreten,
um freilich sofort der sicheren Zerstörung oder im günstigsten Falle
einer Wiederbegrabung anheimzufallen. Je häufiger in den letzten
Decennien in der Hoffnung auf reiche Funde der Boden aufgewühlt
wurde, um so dringender musste es geboten erscheinen, dieses Ver-
mächtniss der Römerzeit durch eine systematische, umfassende Aus-
grabung vor einer allmäligen Zerstörung zu sichern. Schon im Jahre
1852 hatte Eduard v. Sacken in seiner eingehenden Monographie
nüber die römische Stadt Carnuntum" *) nachdrücklich die Notwen-
digkeit einer solchen Unternehmung betont; trotzdem musste noch
fast zwanzig Jahre später Theodor Mommsen bittere Klage über die
schwere Vernachlässigung erheben, die Carnuntum in alter, wie in
neuer Zeit zu erfahren gehabt hat**). Manches ist in dieser Hin-
sicht in den letzten Jahren besser geworden; die Sammlung des
Herrn Widter, dessen Verdienste um Carnuntum Mommsen mit be-
redten Worten anerkennt, ist nicht mehr die einzige, in der die in
jener Gegend gemachten Funde vor Zerstörung oder Verschleppung
gesichert Averden; an Ort und Stelle selbst im Schlosse des Grafen
Traun zu Petronell, im Parke des Grafen Pälffy nahe dem Burg-
felde, im Schlosse des Baron Ludwigsdorf in Deutsch - Altenburg,
in den Häusern des Bürgermeisters von Deutsch-Altenburg Herrn
Hollitzer und der Frau Juliana Novatsi, überall sind in den letzten
Jahren Sammlungen angelegt worden, die nicht minder von dem
Interesse ihrer Besitzer, als dem Reichthum des carnuntirvischen
Bodens Zeugniss ablegen. Von dem Wunsche geleitet, die wissen-
schaftliche Erforschung und Erhaltung des römischen Lagers nach
Kräften zu fördern, hat ferner Baron von Ludwigsdorf, der Besitzer

: ) Sitzungsberichte der k. k. Akademie der Wissenschaften, philos.-histur. KI.
Band IX, S. 660—784, nebst 10 Tafeln.

:::) C. I. L. III, p. 550: „Carnwtitum licet oppidum olim ipsum magnum et
hodie magnae Vindohonae proximum tarnen nescio qua sortis infelicitate ita per omnia
tempora iacuit neglectum, ut in cultis hodie regionibus nulluni hoc quidem nomine cum
eo rede compares."

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