Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 1.1877

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des^ Burgfelcles, mit Verzichtleistung auf Entschädigung die Lager-
stätte für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. In Würdigung der
Bedeutung dieser> Aufgabe hat der Herr Unterrichtsminister sofort
die Vornahme von Ausgrabungen auf dem Burgfelde angeordnet und
mit der Oberleitung derselben die k. k. Central - Commission für
Kunst- und historische Denkmale betraut. Die technische Leitung ist
in die bewährte Hand von Alois Hauser gelegt worden, die Aufsicht
auf dem Platze selbst führt der Bautechniker Herr Koenig aus
Deutsch-Altenburg.

Die Ausgrabungen, die in diesem Jahre bis zur Mitte des No
vembers fortgeführt worden sind, werden voraussichtlich einige Jahre
in Anspruch nehmen und abgesehen von den zu erwartenden Funden
an Kunstobjecten und Inschriften, die in dem Museum des Baron
von Ludwigsdorf dauernd an Ort und Stelle conservirt bleiben
sollen, hoffentlich einen klaren Einblick in die noch unsichere Dispo-
sition der römischen Standlager in der Kaiserzeit gewähren. Von
vornherein wird man zu der Annahme berechtigt sein, dass das
Lager von Carnuntum dem Schema, welches in der unter dem Namen
des Hyginus gehenden Schrift de munitionibus castrorum*) gegeben ist,
in den Hauptzügen entsprochen habe. Unzweifelhaft ist dasselbe
jedoch in den mehr als dreihundert Jahren, in denen es den römi-
schen Legionen zum Standquartier gedient hat, mannigfachen Um-
bauten unterworfen worden. Schon jetzt zeigt sich neben der ur-
sprünglichen, wohl in flavischer Zeit aus soliden Quadersteinen auf-
geführten Umfassungsmauer, vielfach schlechtes Ziegelwerk aus einer
späteren Epoche, das vielleicht zum Theil erst der hastigen Restau-
ration des Lagers unter Valentinian im Jahre 375 angehören dürfte.
Wir enthalten uns jedoch vorläufig weiterer Mittheilungen über die
gewonnenen Resultate, über die ohne Zweifel der Leiter der Aus-
grabungen, Herr Professor Hauser, seiner Zeit eingehenden Bericht
erstatten wird und beschränken uns zunächst darauf, die bis jetzt
gemachten inschriftlichen Funde hier mitzutheilen.

Als der Unterzeichnete in Begleitung des Herrn Majonica am
24. October die Ausgrabungsstelle besuchte, waren abgesehen von
einigen Gesimsstücken aus der späteren Kaiserzeit, einem kleinen
weiblichen Kopf aus Kalkstein, einigen Objecten aus Bronce, Waffen-

*) lieber die'Abfassungszeit derselben vgl. A. Gemoll im Hermes XI, S. 176 ff
Marquardt Staatsverwaltung II, S. 578 ff. Einen Plan des Lagers hat auf Grund
der Hyginischen Beschreibung L. Lange in seiner Ausgabe dieser Schrift (Göttingen
1848) und in seiner historia mutationum rei militaris Romanorum (Göttingen 1846)
gegeben.
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