Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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Mercurrelief von Cariiuntum

Unter den bisherigen Ergebnissen der Ausgrabungen in Olympia
steht sicher in erster Linie die am 7. Mai des vorigen Jahres er-
folgte Entdeckung eines Praxitelischen Kunstwerkes, der von Pau-
sanias im Heraion beschriebenen Marmorstatue des Hermes, der
den Dionysosknaben im Arm trägt. Wenn uns dieser Fund, wie
nach dem veröffentlichten Berichte*) zu erwarten steht, wirklich mit
einem Originale von der Hand des grossen Meisters beschenkt, so
ist in der Geschichte der griechischen Kunst ein neuer fester Punkt
gewonnen, von dem unser Wissen, wie man hoffen möchte, rasch
und erfolgreich vordringen kann nach vielen Seiten. Eindringendes
Studium des Originales selbst wird den Grund dafür zu legen haben
und eine Prüfung der erhaltenen ähnlichen Darstellungen dasselbe
wesentlich unterstützen. Ist es für die richtige Schätzung grosser
Kunstwerke, die wie die Vollendung vieler Vorversuche erscheinen,
um doch nur wie eine mögliche Lösung neben andersgearteten spä-
teren Lösungen zu stehen, unter allen Umständen von Gewinn, die
Entwicklung ihres Hauptmotivs zeitlich rückwärts und vorwärts zu
verfolgen, den Ausdruck ihres Grundgedankens mit seinen Aus-
drucksweisen in anderen Kunstgattungen zu vergleichen, so ver-
sprechen Untersuchungen dieser Art in dem vorliegenden Falle, für
den reiches Material der Vergleichung zu Gebote steht2), besonders

') Archäolog. Zeitung 1877 p. 94 (dazu G. Hirschfeld Olympia, Deutsche
Rundschau, Nov. 1877 p. 320). Paus. V 17, 3: xpovqj Te ü'axepov Kai a\\a
äveöeoav e<; xö 'Hpaiov, cEp|unv \(0ou, Aiövuaov oe <pepei vi']mov, xexvn oe eaxi
TTpa£ixe\ou<;.

2) Welcker Zeitschr. für alte Kunst I p. 500 folg.; L. Stephani melanges
greco-romains I p. 165 folg.; Otto Jahn römische Alterthümer aus Vindonissa
p. 10 folg. (in den Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band
XIV Heft 4). — Ausser den hier besprochenen Darstellungen bleibt u. A. zu be-
achten eine Marmorstatue im Giardino Boboli (H. Dütschke ant. Bildw. in Ober-
Archäologiscli-epigraphisclie Mitth. I. 1
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