Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 29
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1878/0035
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
29

hängen. Er trägt einen langen ungegürteten verzierten Chiton.
Von 1. schreitet auf ihn zu Neoptolemos in kurzem Chiton, Panzer,
Beinschienen, Wehrgehenk und Helm, am vorgestreckten 1. Arm
den ovalen, beiderseits halbkreisförmig ausgeschnittenen Schild, der
innen mit Schuppen besetzt ist. In der gehobenen R. schwingt er
den Kopf des Astyanax (alle Theile vollkommen deutlich) gegen
Priamos*). R. hinter dem Altare die obere Hälfte einer Frau im
Mantel (Hekabe?) , welche den r. Arm erhebt. Zu beiden Seiten
dieser Gruppe, ziemlich genau symmetrisch entsprechend, der Kampf
zweier Hopliten, von denen der eine ins Knie gesunken ist. Schild-
zeichen des Siegers r.: Dreifuss, 1. Vordertheil eines Panthers
(Rundbild), des Unterliegenden 1.: Stierkopf. — B. Ein vollgerüsteter
Krieger kämpft mit eingelegter Lanze gegen einen Zweiten (Episema:
Dreifuss), der zur Flucht gewendet sich umsieht und mit der Lanze
droht. Nach L entfernt sich ein schwerbewaffneter Krieger mit ova-
lem, halbkreisförmig ausgeschnittenem Schild, in der R. die ein-
gelegte Lanze. R. sprengt ein bärtiger Reiter mit weissem Hut
und weiss - rothem Gewand nach r., die Lanze schwingend. Vor
ihm setzt ein vollgerüsteter Krieger (Episema: weisser Ochsenkopf)
seinem gleichbewaffneten Gegner (kein Schildz.), der vor ihm nieder-
gesunken ist, die Lanze auf die Stirn.

Abgeb. Font. Erwähnt: Arch. Anz. 1853 S. 401, 1. Im Eöm. Kunsthandel
gezeichnet und edirt von Gerh. Auserl. Vbb. 213, dann (bloss A) von Overb. Bildw.
XXV 22. Vergl. Gerh. a. 0. III S. 127 ff. Overb. a. O. S. 625.

[33.] Zweihenkliger fussloser Becher (Br. 148). Fein ausgeführt und über-
aus lebendig. — Eings um das Gefäss zwölf nackte Figuren, 6 Männer, 5 Jüng-
linge und ein Knabe, stehend, zum Theil tanzend in obscönen Posituren. Sechs-
mal liegt um die Schultern ein grosser Kranz. — Vollständig abgeb. Font. Ein Ge-
fäss von derselben Form {Skyphos onychinos, Ghd.) mit Dionysos und Satyrn, aus
Vulci Mon. dell' inst. I 27, 49.

34. Amphora (M. 40). H. ohne den (abgebrochenen) Fuss 0-38. Das Gefäss
ist am Bauch noch vor dem Brennen eingedrückt. Vom halben Bauch abwärts
schwarz. Fein ausgeführte charakteristische Zeichnung. — Am Bauch: A. In der
Mitte reitet auf einem aufgezäumten Pferde nach r. ein langlockiger Knabe in
kurzem verziertem Chiton in der L. eine lange Lanze. Ihm folgt von 1. ein bärtiger
Mann in langem Chiton, buntem Mantel, eine Binde im Haar, einen langen Stab
im 1. Arm, die Hände sprechend bewegt; und ein langgelockter Jüngling mit Chla-
mys, umblickend beide Anne staunend erhoben. (L. von ihm, unter dem Henkel
nach r. ein kleines aufgezäumtes Flügelpferd.) Zwei entsprechende Figuren r. von
dem reitenden Knaben: ein bärtiger Mann nach L, in gleicher Tracht und Bewegung

*■) Das Schleudern des Kopfes (statt des ganzen Körpers) kommt sonst bei
Troilos vor. Arch. Ztg. 1844 Tf. 91, 3 (Overb. S. 365, 44) und etwas anders
München 124, Gerhard Auserl. Vbb. 223. Overbeck XV 12.
loading ...