Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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überall Bezeichnungen gewählt, die von dem härtesten Material ent-
lehnt sind, welches der menschlichen Erfahrung vorlag. Dem Fort-
schritt frühester Cultur entsprechend wird er nacheinander als aus
Stein, Erz, Eisen, Stahl bestehend gedacht. Nicht so häufig in den
Veden, um so entschiedener aber in den iranischen Sprachen tritt
das Wort „Stein" (Skt. äcman, Zend acman, Neupers. äsmän) als
Name des Himmels auf5). Den Griechen ist er xakKeog TroXuxaXKeog
ö"ior|peog, aber auch ihrer Kosmogonie war einer sicheren Spur zu-
folge jenes älteste Prädicat nicht fremd. Wie R. Roth dargethan
hat, beweisen dies Ueberlieferungen6), welche einen durch das iden-
tische (wenn auch in der Bedeutung „Stein" im Griech. nicht mehr
rein nachweisbare) Wort ctKUUJV bezeichneten Gott als Vater des
Uranos aufführen oder Uranos selbst Akmon nennen.

Irre ich nicht, so gibt der in den Avestas überwiegende Ge-
brauch des Wortes acman als Steinhimmel einen bedeutungsvollen
Wink für den Ursprung des 6edS <ek TrexpaS. So lange der erste
Strahl des Tages aus dem Firmament hervorbricht, der letzte am
Firmament verschwindet, werden Licht und Himmel unzertrennliche
Anschauungen bilden. Wie Roth7) lehrt, besteht in den Veden die
innigste Verbindung zwischen dem Lichtgotte Mithra und dem höheren
umfassenderen Himmelsgotte Varuna, und hat sich diese duale Zu-
sammenstellung selbst in den Zendbüchern bei Ahura und Mithra
erhalten, obwohl die Stellung beider sich wesentlich veränderte.
Dem Acman stehen Mithra, Rashnu (die Luft) und Cpenta-ärmaiti
(die Muttererde) zur Seite8). Mithra ist die anfängliche Helle des
Morgens, die der Sonne vorauseilend mit goldener Gestalt die Gipfel
des Landes ergreift; er steigt über Hara, den ältesten höchsten Berg
empor9). Dort wo dessen äusserste Spitze den steinernen Himmel

5) Roth in Aufrecht u, Kuhn's Ztschr. f. vergl. Sprachf. II 44 f. Fr. Müller
ebendas. X 319. Spiegel a. a. O. II 109 f. 142.

6) Bergk zu Alcman Fragm. 111, lyr. gr. III3 p. 862; G. Curtius G. Z4. 1873
S. 131 n. 2 u. 3; Preller Gr. Myth. I3 40 Anm. 1.

7) Roth die höchsten Götter der arischen Völker in d. Zeitschr. d. deutschen
morgenländ. Gesellsch. VI 70 ff.

8) Vgl. Spiegel Avesta III S. XXXVI, ebendas. Farvardin-Yast XIII c. 3 u.
Anm. 2; Vispered XII 10 (S. 21, A. 3); VIII 20 (S. 17).

9) Vgl. Spiegel Avesta I 249 (Vendidad, Fargard XIX, 92): Und wenn auf
die Berge mit reinem Glänze der siegreiche Mithra sich setzt (93) Und die glän-
zende Sonne aufgeht (94) Dann u. s. w.; ferner Avesta III 81 (Mihi* Yast 13):
Welcher (Mithra) als der erste himmlische Yazata über die Hära steigt vor der
Sonne, der unsterblichen mit schnellen Pferden begabten, welcher zuerst mit gol-
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