Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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durch Einschnitte auf beiden Seiten als Fels bezeichneten Masse
aufsteigt; beide (ursprünglich ausgestreckt erhobene) Arme, Kopf
und Hände fehlen. Vor dem Felsen windet sich nach r. eine
Schlange. Zu beiden Seiten je ein sitzender Jüngling in phrygischer
Tracht, die Hände aufeinander gelegt im Schoosse ruhend; der besser
erhaltene zur L. blickt zur Mittelfigur empor, dem zur R. fehlt der
Kopf und ein Theil des r. Beines (die r. Hälfte des Denkmals hat
überhaupt durch Verwitterung besonders gelitten). Die auf der
Basis eingemeisselte sehr verwitterte Inschrift lautet nach Mommsens
Abschrift14):

P G • D
AVRELIVS
STATORIVS
V S L M

II. Am nächsten steht die verschollene Gruppe Giustiniani,
nach der veröffentlichten Zeichnungla), in welcher Restaurationen
nicht angegeben sind, scheinbar gut erhalten. Die wesentlichen
Unterschiede bestehen, abgesehen von den vielen Attributen des
Gottes (eine Traube in der erhobenen R. und Köcher, Pfeil, Bogen
und Dolch, die vor ihm auf dem Felsen liegen) darin, dass die
beiden Jünglinge stehen und in der auf Mithrischen Denkmälern
herkömmlichen Weise je eine Fackel aufrecht und gesenkt tragen;
es fehlt ausserdem die Schlange. Die Inschrift NAMA | [ 11 (C. I. L.
VI 731) bezieht sich unzweifelhaft auf Mithras. — Die Traube ver-
anlasste Montfaucont6) zu der Auffassung eines bacchischen Mithras.
Sie könnte auf Ergänzung beruhen (wie bei dem Borghesi'schen
Mithrasrelief im Louvre 17) — an falsche Ergänzung der Figur denkt
auch Henzen —, wofür in der That die ganze obere Partie zu

14) Der Zustand der Inschrift erlaubt in Z. 3 keine sichere Lesung. Der von
Mommsen gesetzte Name Statorius stimmt jedoch nicht zu den noch erkennbaren
Buchstabenresten.

15) Galleria Giustiniani II 62 = Lajard PI. CHI (vgl. C. I. L. VI 731, Lajard,
Nouvelles observations sur le grand Basrelief de la collection Borghese etc. 1828
p. 26 s.; — Memoires sur deux basreliefs qui ont 6te decouverts en Transylvanie 1830
pl. 69; — Recherches etc. p. 567, 681). — Vielleicht stammen alle Giustinianischen
Mithrasdenkmale aus demselben Mithraeum (vgl. Welckers Zusätze S. 394 ff. C. L L.
VI 724, 744).

IS) Die Angaben Montfaucons antiq. expl, T. I n> Partie, II« ed. 1722,
p. 383 wiederholt Seel in seinem compilatorischen Werke (Die Mithrasgeheimnisse
etc., Aarau 1823, S. 272 Taf. XD>). Martin (a. a. O. p. 429) erkannte zuerst die
Bedeutung dieser Gruppe.

1?) Vgl. Fröhner notice de la sculpture antique du Louvre I n. 569 p. 499 s.
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