Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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XV. Marmorara, ehemals im Casino Giustiniani zu Rom. Auf
der viereckten, mit einem Carniess umgebenen Vorderseite die In-
schrift C. I. L. VI 724. Ueber dem Viereckten ist, nach Marini's
Angabe an Zoega32), ein rundes Stück rings umher mit einer bär-
tigen Schlange umgeben, deren Kopf statt Kamms sechs aufge-
richtete Strahlen hat und deren Schwanz, in welchen sie beisst,
gegen das Ende mit einem kleinen Halbmond bezeichnet ist.

Schliesslich finden wir unter den mannigfaltigen religiösen und
rituellen Darstellungen des Mithrascultus, welche auf den zahlreich
erhaltenen Mithrasreliefplatten angebracht sind, immer auch der
Felsgeburt33) einen bestimmten Platz angewiesen. Hieher gehören:

a) Das dritte Seitenbild (1. oben) von der Mithrasplatte aus
Mauls in Tirol (Hammer PI. V);

b) das zweite Seitenbild (r. oben) von der grossen Heddern-
heimer Relieftafel (Hammer PI. XIIII = Lajard PI. XC);

c) die kleine Eckfigur des kleinen Votivreliefs aus Heddern-
heim (Lajard PI. CIV, 3);

d) das erste Seitenbild (1. oben) von der Neuenheimer Tafel
Stark a. a. 0. Taf. I);

e) die kleine Figur 1. von dem Knaben in der oberen Umfas-
sung der Osterburkener Mithrasplatte (Stark a. a. 0. Taf. II);

f) die kleine Figur mit phrygischer Mütze und Messer in der
erhobenen R., r. vom Hauptbilde der Mithrasplatte aus Carlsburg
(Hammer PI. VI = Lajard PI. XCVI, 2);

g) eine der letzten vollkommen entsprechende Gestalt auf der
Platte in Hermannstadt (Hammer PL VII = Lajard PI. XCVI, 2);

h) rohe Gestalt aus einem Steinhaufen sich erhebend, beide
Arme hoch ausstreckend, in der r. Ecke der Mithrastafel im Mu-
seum Batthyany zu Karlsburg (Lajard PI. XCVIII, vgl. C. I. L. III
1120);

i) eine der letzten bis auf die Beigabe einer phrygischen Mütze
vollkommen entsprechende Gestalt auf der Mithrasplatte aus Stix-
neusiedl (Lajard PI. CXXXII, 2 vgl C. I. L. III 4542);

3J) Vgl. Welckers Zusätze S. 395 A. 1.

33) Diese Darstellung ist wie die Seitenbilder dieser Relieftafeln überhaupt
sehr verschieden axisgelegt worden. Zoega Abhandlungen >S. 172 zu n. 16 spricht
von Venus Anadyomene; Hammer und die von ihm Abhängigen hatten eine Reihe
unhaltbarer Hypothesen aufgestellt (vgl. Mithriaca p. 89, 91, 131 u. s. w.). Lajard
Deux Basreliefs p. 129 bezeichnete die Figur nebst einer neben ihr liegenden als
„les planetes Jupiter et Venus11. Andere Erklärungsversuche dürfen unbeachtet
bleiben.
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