Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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Meyer3) veröffentlicht worden ist. Eine andere, derselben Gattung
angehörig, wenn auch nur mit dem wesentlichsten Bestandtheil des
apotropaeischen Beiwerkes, der Schlange, ausgestattet, ist bereits
im Jahr 1838 publizirt worden, aber unbeachtet geblieben; sie be-
findet sich im Museum von Brescia, ist abgebildet im Museo Bres-
ciano ülustrato vol. I taf. 41, 4 und wird im Text dieses Werkes
S. 146 fg. besprochen. Es kann mit einiger Sicherheit angenommen
werden, nicht blos dass die Antikensammlungen manche Votivhand
bergen, von der noch nicht Kenntniss gegeben worden ist, sondern
dass auch andere veröffentlicht oder doch beschrieben worden sind
in antiquarischen Zeitschriften lokalen Charakters, die sich dem
Ueberblick des Archäologen und der auf prüfende Zusammenstellung
der gleichartigen Monumente gerichteten Untersuchung leicht ent-
ziehen. Und doch können diese barocken Denkmäler griechisch-
römischen Aberglaubens nur durch eine die fortschreitende Ver-
mehrung derselben aufmerksam begleitende und verwerthende Zu-
sammenfassung und Vergleichung des gesammten Materiales ihrer
Aufklärung entgegengeführt werden.

Gegenwärtige Zeilen bescheiden sich, den auf Taf. III und IV
vereinigten Exemplaren ihren Platz neben den bereits bekannten
Vertretern der Gattung anzuweisen. Die Formengebilde, welche die
antike Superstition erzeugt hat, sind wie ein Weichselzopf inein-
ander verschlungen und verwirrt, und es ist auf diesem Gebiet gei-
stigen Lebens und äusseren Gestaltens schwieriger als auf anderen,
die Einzelerscheinung ausreichend und überzeugend zu deuten, ohne
ganze Vorstellungsgebiete, wie es in Jahns Abhandlung so erfolg-
reich geschehen ist, zu durchmessen.

Das meiste Interesse gewährt die auf Taf. IV in doppelter An-
sicht abgebildete Hand. Vermöge der vorhin bezeichneten Finger-
stellung und ihrer Ausstattung mit Apotropaeen schliesst sie sich
den von Jahn (a. a. 0. S. 101 mit S. 102 Anm. 309) aufgereihten
sechszehn Exemplaren (a—q), zu denen Becker das siebenzehnte
(V), wir das achtzehnte (s) gefügt haben, als das neunzehnte (t) an.

Von diesen Bronzehänden, die sämmtlich rechte sind, werden
zwei (b, n) durch Inschriften, die sie tragen, als Votivgaben zweifel-

3) In der Abhandlung „die römischen Alpenstrassen in der Schweiz", Mitthei-
lungen d. antiquar. Gesellschaft in Zürich XIII (1861) S. 125 f. In denselben Mit-
theilungen ist die Votivhand in Avenches, von allen die interessanteste und reichste,
die Jahn nur aus Beschreibungen bekannt gewesen (in seiner Aufzählung mit o be-
zeichnet), seither zweimal abgebildet worden XI (1856) Taf. 3 und XVI (1867)
Taf. 18.
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