Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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zwischen dem von Jahn angenommenen Gestus und dem „ganzen
symbolischen Beiwerk": nicht ohne Grund, nur dass denn doch ein
grosser und der grössere Theil jenes Beiwerkes von Jahn in eine
logische Beziehung zu Akt und Gestus der Gelobung dadurch ge-
setzt worden war, dass er, soweit durchführbar, in der Ausstaffirung
der Votivhände Götterattribute sah, naturgemäss Attribute derjenigen
Götter, welchen Gelöbniss und Weihegeschenk gelten. Namentlich
für diejenigen Exemplare, die auch Götterbilder tragen, liegt diese
Verknüpfung nahe, und für eine Reihe von Emblemen, die an den
Votivhänden verschiedentlich wiederkehren, ist sie vielleicht nicht
zu umgehen. Aber andere haben selbständig eine so gemeingiltige
Verwendung als Apotropaeen gefunden, dass man sich fragen muss,
ob sie wirklich als Attribute einer bestimmten Gottheit aufgefasst
sein wollen. Dahin rechne ich namentlich das Kerykeion6), das als
glückverheissendes Sinnbild zum Apotropaeon schlechthin, ohne er-
kennbare Beziehung auf Hermes, geworden war7). Ebenso ist ge-

6) Schon Böttiger Amalthea I 104 ff. und Preller grieeh. Mythol. I 334 (vgl.
Piniol. I 512 ff.) haben die Verwandtschaft des Caducens mit der 'Wünschelruthe,
die sich fester begründen und in einen grösseren Zusammenhang einordnen liesse,
angedeutet.

?) Es liegt mir ferne, hierfür an dieser Stelle Beispiele, wie sie übrigens
Jeder wird auffinden können, anzusammeln. Doch sei ein kleines Monument darum
hier erwähnt, weil es augenscheinlich in diesen ganzen Kreis gehört. Pervanoglu
hat im archäol. Anzeiger 1865 S. 9* f., unter Mittheilung einer Skizze, Kenntniss
gegeben von einem damals in einer athenischen Privatsammlung befindlichen Erz-
plättchen, auf dem man in rohem Relief eine Kämpfergruppe, rechts davon ein
Kerykeion, links eine aufwärts gekehrte ausgestreckte flache Hand gewahrt, ausser-
dem zweimal einen länglich runden Gegenstand, der vielleicht identisch ist mit den
gleichfalls an Votivhänden vorkommenden ähnlich geformten Körperchen; denn dass
in Pervanoglu's Skizze die Ovalform etwas unregelmässige Umrisse zeigt, dürfte
sich aus der rohen Arbeit des überdies stark abgeriebenen Reliefs erklären. Die
Kämpfergruppe ist gebildet durch einen Mann in kurzer gegürteter Tunika, der das
kurze Schwert erhebt über einem niedergesunkenen Gegner und einen spitzen
Hut trägt; am Boden liegt ein Todter hingestreckt. Ohne Grund denkt Pervanoglu
an Theseus und Minotaurus. Er nennt das Erzplättchen ein Amulet, „da die jetzt
ganz glatte Hinterfläche, wie es scheint, erst später abgeschabt worden ist und viel-
leicht früher Haken zum Aufhängen hatte". Charakteristisch ist auch die nicht ganz
seltene Verbindung von Kerykeion und Gorgonenmaske. Punische Münzen kombi-
niren das Kerykeion und die Hand (vgl. Müller numismat. de l'ancien Aß: II 23
n. 42), auch ist auf karthagischen Stelen, von denen weiterhin die Rede sein wird,
das Emblem des Kerykeion, ebenso wie das der Hand, sehr häufig; bisweilen haben
autonome Münzen von Karthago das Kerykeion als accessorischen Typus (Müller
II 98 n. 223—225). Auch der oval gestaltete Gegenstand scheint in den nämlichen
Kreis zu führen, wie später sich zeigen wird. Ein in den letzten Jahren aufge-
decktes und mir in Zeichnung vorliegendes Mosaik auf der Schwelle eines Hauses
der Strada Stabiana in Pompei verbindet Füllhörner, Caduceus, zwei Phalli, Palm-
zweig, Kranz und den Gruss SALVE. Vergl. Stephani C. R. 1865 p. 184.
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