Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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weilen den Gegenstand selber, oft auch dessen Abbild. Es scheint
beinahe, dass in diesem Sinne hier das apotropaeische Rüstzeug,
das sich wirksam erwiesen, in effigie geweiht werde11). Es mag ein
Zufall sein, dass bis jetzt, so viel ich weiss, keine als Trepiauucc
erweisliche antike Hand mit dieser Stellung der Finger bekannt
geworden ist. Aber man kann nicht umhin, die Amulete zu
vergleichen, welche bestehen in einer Hand, die den Gestus der
fica macht, bald mit, bald ohne Arm daran, und mit Phalli
ausgestattet ist, auch mit Gorgoneion. Eine reiche Auswahl findet
man im Katalog der Eaccolta pornograßca des Museo nazionale
n. 139 — 157. Gleich das erste Stück ist so beschrieben: braccio
volto in su con mano impudica, che termina in una maschera
muliebre con lingua prominente: nel mezzo vi e un foro. Und dass
Amulete ex voto dargebracht wurden, ist nicht nur an sich sehr
glaublich, sondern auch durch Beispiele festgestellt. So berichtet
z. B. Gamurrini im Bull. d. Inst. arch. 1868 p. 190 (vgl. 1866 p. 233)
über einen Knabenphallus aus Bronze mit der etruskischen Inschrift:
Cuer Turce, d. i. puer dicavit. Dabei konnte wohl die Vorstellung
mitwirken, dass dieses Abbild oder Duplikat, an heiliger Stätte de-
ponirt, die Kraft des Instrumentes oder der Instrumente selber für
die Zukunft verstärke oder garantire: ein Gedanke, der mir nament-
lich durch die Exemplare nahe gelegt scheint, die an bezeichnendem
Platze die weihenden Personen selber in der durch die Hilfe der
Gottheit glücklich herbeigeführten Situation darstellen. Es ist wohl
zu beachten, wie an allen Votivhänden in höchst ausdrucksvoller
Weise die apotropaeischen Thiere in der nämlichen Richtung, ob-
wohl hier und da gewissermassen den Rinnen der Hand folgend,
sich aufwärts bewegen und gleichwie verbündete Streitkräfte dem
Feind entgegenziehen, dessen vorgestellter Platz bezeichnet ist durch
die Stellung der drei emporgereckten Finger. So entsteht durchaus
die Vorstellung, dass die unten lagernden oder stehenden Figuren
vertheidigt werden durch die apotropaeischen Kräfte, oder dass,

") Dass Wöchnerinnen besonders bedacht waren, sich durch Apotropaeen aller
Art, vielfach zu schützen, lässt sich denken. Nach des Euteknios Paraphrase p. 173
(Schneider) hatte Oppian in seinen 'lEeUTUCÖ den auch sonst erwähnten derirr)«; Ä(6o<;
als nützliches Trepiauua für gebärende Frauen angeführt. Ein gewisses Kraut Ge-
bärenden auf den Leib zu legen, empfiehlt der Verfasser des Gedichtes de viribus
herbarum v. 202 (Haupts Opuscula II 486). Die Geoponiker III 10, 12 erwähnen
als eüTÖKiov ein Gerstenkorn, das mit der linken Hand einer Ameise abgenommen
und in rothgefärbte Haut gewickelt, der Frau an ihren Kopf befestigt werde. Plinius
n. h. 28, 42 bemerkt, dass zur Beschleunigung der Geburt Blasenstein als irepiaiTTOv
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