Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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Hiernach ist wohl deutlich, dass die Hand Taf. III 1, 2 eben-
so wenig von der Reihe a — t losgerissen, als von dem Exemplar
Taf. III 3, 4 getrennt werden kann: sie vermittelt den Uebergang
zu den einfach ausgestreckten Händen, deren Symbolik analog ge-
handhabt wird und deren Votivbestimmung die gleiche ist31).

Es gibt aber vielleicht noch ein anderes Mittelglied zwischen
jenen mit apotropaeischen Attributen belasteten Händen, deren
Finger den Schwurgestus vergegenwärtigen, und der gerade ge-
streckten nackten flachen Hand, welche bekanntermassen nicht we-
niger häufig ex voto gestiftet worden ist. Ich meine die elfen-
beinernen Hände, welche 1855 in sehr alten Gräbern in Palestrina,
fast alle in Bruchstücken, gefunden wurden, mit Vorderarmen daran,
die von Thierfiguren im Relief bedeckt waren: hätte es nur
Braun, dem wir die einzige Kunde von jener Ausgrabung verdanken,
gefallen mögen, Näheres über diese Thiergestalten mitzutheilen32).

Und hier hat der Fundort für uns ein nicht geringes Interesse.
Die Ausgrabungen und Entdeckungen der letzten Jahrzehnte haben
in den Praenestinischen Kunstsachen und Geräthen ein stark ägyp-
tisirendes Element neben assyrischen Anklängen immer erkennbarer
hervortreten lassen und kürzlich ist Heibig unter umfassender Ver-
werthung der monumentalen Belege zu dem Schlüsse gelangt, dass
diese Erscheinungen zurückzuführen seien auf den Import der Pro-
dukte phönikischer Kunstübung, welche namentlich der ägyptischen

31) Vgl. besonders die von Becker pubKzirte Bronzehand mit der Inschrift:

IOVI - DOLICENO
G - IVL - MARINVS
D BRITTONVM
CVRVEDENS
D D

Beckers Aufzählung der Votivhände dieser Gattung Hesse sich leicht vermehren,
Vollständigkeit ist hier nicht erreichbar. Der Erwähnung ist wohl noch werth, dass
der Silberfund von Berthouville auch enthielt „jolie petite main probablement votive,
en argent massif", nach den Mim. des antiq. de la Normandie VI 99. Der gesammte
Fund von Berthouville bestand in Votivgaben und Tempelgegenständen, die den
Schatz des Mercurius Augustus Canetus oder Canetonnensis ausmachten. Eine Votiv-
hand aus Thon, angeblich mit Nachbildung einer Verletzung in der hohlen Fläche,
wird unter Fundstücken aus dem Bereich des Dianatempels von Nemi aufgeführt
von S. Argoli in Tomasini's Schrift de donariis (Patavii 1654) S. 19 und ist daselbst
S. 17 abgebildet.

3J) Bullett. delV Inst. 1855 p. XL VI: mani coli' avanbraccio, il quäle e co-
perto di numerose cinture di bassirilievi, che rappresentano animali d' arcaico stile,
centauri e simili esseH. Hiernach die Notiz im archäol. Anzeiger 1856 p. 168*,
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