Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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Von seitherigen Funden seien die des Jahres 1870 besonders hervorgehoben.
In der Nähe der vorher erwähnten Spiritusfabrik wurden in diesem Jahre Wohn-
gebäude für die Arbeiter der Altofner Schiffswerfte aufgeführt; bei diesem Anlasse
kamen wieder Gräberanlagen, Sarkophage und Grabtafeln zum Vorschein. Durch-
schnittlich lagen dieselben 3—31/2 Fuss unter dem heutigen Boden, wodurch sich
ziemlich genau das ehemalige Niveau bestimmen liess. Dasselbe stimmt nach den
Messungen des Herrn Ing. Gustav Zsigmondy, welcher seit 20 Jahren die Auf-
nahmen mit seltener Sorgfalt in die topographische Karte verzeichnet, mit dem
Niveau der römischen Baulichkeiten auf der „Schiffswerftinsel" nächst Altofen genau
überein.

Die fraglichen Bauanlagen auf der Insel, Reste eines Hypocaustums, welche
bereits seit den Fünfziger Jahren bekannt sind, wurden 1870 weiter verfolgt; auch
wurden im folgenden Jahre auf ebenderselben Insel Reste einer zweiten Badeanlage
vorgefunden und das Jahr 1874 brachte auf dem nördlichen Theile derselben bei
Gelegenheit von Erweiterungsbauten einen ganzen Zimmercomplex zum Vorschein,
dessen Mauern theilweise noch über 2 Meter emporstanden. Die Reste mussten
leider den Bedürfnissen der Werfte weichen, wurden jedoch noch rechtzeitig ge-
zeichnet und vennessen*). In Altofen selbst ward u. A. im Jahre 1870 in dem
Keller eines der Häuser, welche eine „Königsberg" (Kiralyhegy) genannte Häuser-
insel bilden und die vermuthungsweise auf den Gallerien des einstigen Theaters
von Aquincum erbaut sind, römisches Fundament constatirt**). Fundamente und
einzelne Sarkophage, Reste von Wasserleitungen, römisches Mauerwerk und Anti-
caglien wurden in diesen letzten Jahren noch von mehreren anderen Orten bekannt.
So vom israelitischen Friedhofe, der nächst der Donau liegt, von dem sog. „Bade-
haufen" in der Donau, aus einem Hause der Altofner Hauptgasse, von der Jacob
Kunewalder'schen Ziegelei (Sarkophag eines Alfius Vitalis), vom Mathiasberge nächst
der Ofner Vorstadt Neustift u. s. w. Dies sind meist Funde, welche nur im Zu-
sammenhange mit den bereits bekannten und in ihrer Vereinigung auf der Karte
Aquincums Bedeutung gewinnen.

Nähere Berücksichtigung beanspruchen hier die seit 1875 bekannt gewordenen
Inschriften. Dieselben sind von Dr. Romer beinahe sämmtlich in der XIV. Reihe
seiner „unedirten römischen Inschriften" gesammelt und in den „Archaeologfai
Közlemenyek" 1876 XI. Bd. erschienen ***).

a) Stein mit Zahlen, gefunden 1875 in der Nähe der sogenannten „Krempel-
mühle" ausserhalb Altofens, jetzt im Nat.-Mus. (Romer n. XXII):

III XIIII ■ XV XV

b) Fragment einer Grabtafel, gef. 1875 bei Altofen in der Donau, jetzt im
Nat.-Mus. Römer n. XVIII:

*) Vgl. Romers Notizen im A. E. HI 241, 264, sowie IV 132, 255.
**) Vgl. Romers Mittheilung im A. E. HI 156.

***) Archaeologlai Közlemenyek (A. Kk.), Budapest 1876, XL S. 27—46. Durch
die hier gegebenen Inschriften erreicht die Anzahl der von Dr. Römer zuerst edirten
und zumeist auch von ihm entdeckten pannonischen Inschriften im Ganzen über 320.
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