Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 75
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NiederpannOllien, südlich von Aquincum. Bevor ich die Funde längs des

rechtzeitigen Uferweges und des inneren Landes aufzähle, sind einige Monumente
unbestimmter Herkunft im ehemaligen Barbaricum, jetzt in Alb erti-Irsa, zu
erwähnen. Dieselben wurden in der Budapester phil. Gesellschaft — Novembersitzung
vergangenen Jahres ■— von Herrn Karl Wolff besprochen und im „Allgemeinen
philologischen Anzeiger" *) ziemlich mangelhaft veröffentlicht. Zwei davon — Grab-
tafeln mit beinahe vollständig erhaltenen Inschriften — waren bereits früher im
Abklatsche an Mommsen geschickt und durch ihn im C. III 3399 und Eph. II
Add. S. 480 n. 1060 veröffentlicht worden. Beide stammen vermuthlich aus Aquin-
cum, wenigstens theilt Herr Wolff mit, dieselben seien von der gräfl. Szapary'schen
Familie etwa vor 30—40 Jahren bei einer Pester Auction gekauft worden und später
im gräflichen Parke von Alberti aufgestellt worden, wo sie auch jetzt noch stehen.
— Ein dritter Stein, ebenda, der bei gleichem Anlasse dahin gelangte, zeigt auf
der Fläche in Relief einen Blumenkorb, beiderseitig von einem Greifen gehütet;
ohne Aufschrift. — Ein viertes Steinfragment eines Votivdenkmales, mit Inschrift
auf zwei Seiten, soll angeblich aus Mike-Buda (?) stammen, von daher zuerst nach
Alberti und zuletzt nach Irsa gelangt sein, wo es nun im Hofe des Pfarrhauses auf-
bewahrt wird. Da Aussicht vorhanden, dass der Stein ins National-Museum gelangen
wird, so hoffe ich im nächsten Bericht eine Abschrift nach dem Originale geben zu
können und begnüge mich diesmal auf Herrn Wolffs Abschrift im „Phil. Közlöny"
zu verweisen.

In Niederpannonien ist gewiss die Uferstrasse seit alter Zeit die wichtigste
Verkehrsader gewesen und als Verbindungsglied für zahlreiche Veriheidigungswerke
und Ansiedlungen, wovon sich zahlreiche Spuren noch vorfinden, stets mit beson-
derer Aufmerksamkeit in gutem Stand erhalten worden, wie die vielen Meilenzeiger,
welche wir von dieser Linie besitzen, bekunden. Dagegen scheint das Innere,
zwischen Donau und Plattensee, sowie zwischen Drau und Sau, von römischer
Cultur weniger überzogen worden zu sein, wie nicht nur das spärlichere Vorkommen
rein römischer Funde, sondern auch mehrfache Ansiedlungen, resp. Begräbnissstätten
gemischten barbarisch-römischen Charakters bezeugen.

Hier folgen zunächst die jüngst längs der Heerstrasse gemachten Funde von
Aquincum ab, das auch für diese Linie, wie für die nördliche, wohl seit dem Anfang
des dritten Jahrhunderts der Ausgangspunkt gewesen.

Promontor — sonst reiche Fundstätte — hat im Jahre 1877 dem Na-
tional-Museum nur eine römische Thonlampe geliefert, mit dem Fabrikstempel:
LITOGENÜ

Batta ist bekannt durch die Reste eines römischen Castells der Cohors mi-
liaria Mauroi-um und eine römische Badeanlage. Bei Gelegenheit des internationalen
prähistorischen und anthropologischen Congresses in Budapest 1876 hatte man den
Unterbau des Tepidariums und des Caldariums blossgelegt**) und daselbst gefundene
hohle Heizziegeln, Bleiröhren, bemalte Anwurfstücke, sowie Ziegel mit dem Stempel
der Legio II adi. gelangten bei diesem Anlasse ins National-Museum.

*) Egyetemes philologiai közlöny Budapest 1878 II. S. 53.
**) Vgl. A. E. VI 1876 S. 257. — Compte rendu du congres intern, d'arch.
et d'anthr. Session ä Budapest I S. 395.
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