Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 78
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a) CAE4N = Cae(sari$) n(ostri) vgl. C. III 3774,3. Gefunden gelegentlich
der Pflasterung des Hauptplatzes der Unterstadt. Sammlung Kramer in Essek."—
b) Ebendort gefunden ein Ziegel mit COH-VI1BR; Sammlung Kramer. — c) Im
neubegründeten Esseker Museum wird aufbewahrt das Fragment eines Ziegels mit
dem Theile eines Stempels:

Ii O M

Thonlampen mit Töpferstempel in demselben Museum:

a) C ■ A ■ S b) FORTIS c) IEGIDI d) L ■ NARI e) MIA

Ebendaselbst Fragmente von Terrasigülata - Gefässen mit dem Fabrik-
stempel :

a) PAVLIM b) IVSTI c) CVATj

Zahlreiche kleinere Antikaglien, Nadeln und andere Gegenstände aus Bein,
sowie kleine Bronzesachen, Perlen aus Glas, Glasmasse u. dgl., Mosaikbruchstücke
und Thonscherben werden im Museum aufbewahrt.

Besonders zu erwähnen ist hier ein römischer Goldring und „ein schöner In-
taglio aus Carneol, die Apotheose des Augustus darstellend". Vielleicht wird es
möglich sein, diesen im nächsten Berichte genauer beschreiben und würdigen zu
können.

Das National-M useum erhielt durch Herrn Boynychich von ebendaselbst
unter Anderem a) eine Hohlform aus Thon, 0*10 hoch, das Obertheil eines bärtigen
Mannes in Kleidung darstellend, sehr rohe Arbeit; b) eine ähnliche Thonform zeigt
das Untertheil einer bekleideten männlichen Gestalt mit starkem Bauche, die auf
einem achteckigen Piedestal steht, vermuthlich eine komische Figur darstellend,
ebenfalls rohe Arbeit; c) Fragment aus Terracotta eines Jagdhundes, erhalten ist
Kopf und Hals bis zum Ansätze des Halses, 0114 lang*); d) ein liegender Löwe,
Hohlguss aus Bronze mit flachem durchlöcherten Rande an der Basis, hat vermuth-
lich als Helmzierde oder Gürtelbesatz gedient; e) ein Stierkopf mit geöffnetem
Rachen, Hohlguss aus Bronze, vermuthlich der Schnabel eines Giessgefässes; /) zwei
Hohlformen für Untertheile von Thonlampen zeigen an der Basis als Fabrikzeichen:
a) VRSVJI ß) MCT. — Eine Thonlampe mit dem Stempel VICTI und zwei Thonge-
fässe sind im Besitz des Herrn Boynychich.

Ferner ist noch einer 0-21 hohen Bronzestatuette zu gedenken, die
angeblich 1877 in Essek gefunden wurde und jetzt" im Besitze des Advocaten Herrn
Anton Horväth jun. in Fünfkirchen ist. Obgleich als tektonische Zierde com-
ponirt, wie der viereckige, 0"29 hohe und 0-02 breite hohle Pfeiler, aus dem
die Gestalt herauswächst, beweist, ist die Bronzestatuette doch den besseren
römischen Werken zuzuzählen, die uns aus Pannonien bekannt geworden. Die
nackte weibliche Gestalt wird als Venus charakterisirt durch Stellung und Arrange-
ment des Haares. Sie steht auf dem r. Beine, den 1. Fuss hat sie bis über das
r. Knie erhoben, die R. reicht zu dem erhobenen Fusse herab und scheint die
Sandale ablösen zu wollen, die noch am Fusse ist (auch der r. Fuss ist mit San-
dale bekleidet), bei dieser Bewegung stützt sie die etwas erhobene 1. Hand auf
eine nach aussen geneigte Säule und hält in derselben zugleich ein langstieliges

*) Dem Vernehmen nach in dem Grabe eines Kindes gefunden.
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