Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 79
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herzförmiges Blatt; der Kopf ist etwas nach vorn und 1. (vom Beschauer) ge-
neigt. Das Haupthaar ist am Scheitel wulstig emporgehoben und beiderseitig
fallen auf die Schultern reiche Locken herab. In Sehr gelungener Weise rahmt ein
flatterndes Tuch, das vom r. Arme an den Körper gedrückt und auf der anderen
Seite von der Hand auf dem Säulenkopfe festgehalten wird, den Obertheil des
Körpers in weitem Bogen ein. Die beschwerten Enden sind in starker Bewegung
auseinander geflogen und der mittlere Theil ist in straff gespannten Falten von der
bewegten Luft emporgehalten. Figur und Pfeiler stehen auf einem viereckigen
Postamente mit abgestumpften Ecken an der Vorderseite. Die Figur ist zum Theil
Hohlguss und der Pfeiler ist gegen rückwärts offen. Vermuthlich sollte die Figur
einen Lampenhälter oder irgend ein ähnliches Geräth zieren. Die Säule, auf welcher
die L. ruht, ist glatt und Fuss wie Capitäl werden durch einen Wulst angedeutet.
Die Erhaltung ist mit Ausnahme der Oberfläche, welche durch Säure gelitten hat,
vortrefflich.

Schliesslich bleibt eine Votivara zu erwähnen, welche Mommsen (C. III
addit. G451) nach Perrots Abschrift publizirte. Dieselbe gelangte 1876 als Geschenk
des Herrn Dr. H. Kern ins National-Museum und verdient wegen einiger Abwei-
chungen eine nochmalige Publication. Romer A. Kk. XL Bd. S. 28 n. III. Vidi

FE R C ■ A V C
G V A L ' MVCI
N V S ■ PROS A-V
Y SVA • S-ORVM
W OMNIVI»

y - s - i» - m

In der 4- Zeile ist zwischen S und O der Bindestrich, der das V vertritt,
deutlich. Minerva ist nicht auf der r. Seitenfläche imd Hercules nicht auf der 1.
Seitenfläche dargestellt, sondern umgekehrt.

Hiernach sind Römerspuren aus dem Innern des Landes zu erwähnen.

Patka, Comitat Stuhlweissenburg, nördlich der Stadt gleichen Namens.
a) Noch im Jahre 1875 constatirte hier Dr. Henszlman angeblich römische Canal-
bauten, die als Emissäre eines Fischteiches gedient haben *). b) Zwei Votivsteine,
die daselbst seit Alters in einer Wand der herrschaftlichen Meierei eingemauert
waren und deren Abklatsch Dr. H. an Prof. Mommsen einsandte**), sind seither
ins Nationalmuseum gelangt. Da die Schriftfläche sehr verwittert ist, genügten die
Abklatsche zur genauen Lesimg nicht und Korner gibt correctere Abschriften A. Kk.
IX S. 29 n. IV und S. 30 n. VI: Mommsen n. 610 ist in der letzten Zeile von A
keine Spur. Auf n. 611 ist Folgendes noch zu erkennen:

1 \ ZOLA
N O AT R
/ IFNf N S

////////////
^ PF

V S L M

*) A. Ert. 1875 IX S. 72 ff.
**) Vgl. Ephem. epigr. II p. 366 n. 610—611.
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