Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 106
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Gröfse facsimiliert worden. Der Stich auf Taf. VI gibt unter 1
Macht's theilweise auch in der Farbe des Originals ausgeführte
Zeichnung in halber Gröfse und nicht mit ganz ebenso scrupulöser
Genauigkeit, im Wesentlichen aber mit ausreichender Treue wieder.
Unter 2 ist ein Stück der convexen Fläche in der Originalgröfse,
der Durchschnitt unter 3 in Y4 derselben gegeben. Das vollkommen
erhaltene Erz zeigt an einzelnen Stellen Spuren von Versilberung;
wie die gleich zu erwähnenden ähnlichen Denkmäler lehren, scheint
es bei dieser Art von Metalltechnik beliebt gewesen zu sein, die in
das blanke Erz eingravierten Umrisszeichnungen dadurch zu heben,
dass man dem Grunde eine matte Versilberung gab. Aeltere Vor-
bilder und weitere Verwendung dieser geschmackvollen Technik
werden sich gewiss auch noch in anderen Beispielen nachweisen
lassen.

In einer Reihe von Sammlungen zerstreut findet sich eine
ziemliche Anzahl von ehernen Buckeln antiker Schilde. L. Lin-
denschmit in seinem bekannten Denkmälerwerk4), nach ihm
R. Gädechens in einem Bonner Winckelmannsprogramm5) und
zuletzt K. B. Stark in seiner umständlich gelehrten Erläuterung
dreier Metallmedaillons, welche in den Rheinlanden gefunden worden
sind6), haben sie theils veröffentlicht, theils besprochen. Auf eine
vollständige Sammlung des einschlägigen Materiales wird man vor
der Hand verzichten müssen, bei der bekannten und oft beklagten
Vernachlässigung aller auf die reale Verwendung der antiken Kunst
und des antiken Kunsthandwerks gerichteten Untersuchungen. Es
genügt für den vorliegenden Zweck das nächstliegende und bereite
Material in's Auge zu fassen, das heisst die römischen Schilde und
Schildverzierungen; die älteren Typen und Analogieen orientalischer,
griechischer, etruskischer Kunstübung können bei Seite gelassen
werden7). Ebenso lasse ich die nur die Form der Schildbuckel
zeigenden Erzrunde, die bei Ehren- oder Weiheschilden oder in
Phialen und Phaleren angebracht gewesen sein mögen (wie z. B.
jenes Medusenhaupt von Blariacum) hier bei Seite. Aber auch in
dieser Beschränkung lässt sich zunächst nur das Verwandte zu-

4) Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit u. s. w. Bd. 1 Mainz 1858—62,
Bd. 2 1870, Bd. 3 Heft 1—8, 1871—77 4.

5) Das Medusenhaupt von Blariacum, Bonn 1874 4.

6) Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande, Heft 58
(Bonn 1876 8.) S. 1 ff.

7) Einige kurze aber gute Bemerkungen darüber gibt C. Friederichs Berlins
antike Bildwerke 2 (1871) S. 218 ff.
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