Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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der Schild nicht zum dienstlichen Gebrauch in einem römischen
Truppentheil, sondern zum Export bestimmt war. Auch in dem
Moorfund von Nydam 1<J) sind 70 Schildbuckel von ähnlicher Form
(wie der Holzschnitt bei Engelhardt S. 21 zeigt) gefunden worden,
aber ohne Schrift.

6. Diesen Beispielen reiht sich der Hermannstädter Schildbuckel
unmittelbar an. Er entspricht in der Form genau den unter 2 und
3 beschriebenen; der ganze Durchmesser beträgt wieder 20 Centi-
meter, der des concaven Buckels etwas mehr als die Hälfte davon.
Auf dem Mittelpunkt des Knopfes sitzt auch hier wie in 1 und 2
der Adler mit ausgebreiteten Flügeln, den Kopf nach rechts ge-
wendet, im Schnabel einen Lorbeerkranz mit Tänien haltend, dies-
mal auf dem deutlich vorhandenen Donnerkeil (wonach das Fehlen
desselben in 1 und seine Ersetzung durch Schild oder Scheibe in 2
als vereinfachende Variation des Graveurs anzusehen sein wird).
Auf der concaven Fläche des Buckels sind in vier durch zierliche
Ornamentstreifen in Kreuzesform getheilten Feldern, wie sie wieder-
um bei jeder Kreisfläche an sich nahe liegen und den Jahresring mit
seinen vier Haupttheilen von selbst nahe legen, vier nackte geflügelte
Knaben mit der shawlartigen Chlamys, jedoch ohne alle Attribute,
dargestellt. Dieselbe Viertheilung durch kleine oblonge Felder, welche
durch ihre Verzierung in geschickter und diesem Exemplar eigen-
tümlicher Weise die vier Nagellöcher umgeben (und wohl daher
nicht in vollkommen mathematischer Regelmäfsigkeit zu den vier
Theilen des concaven Knopfrandes gestellt sind), zeigt der horizon-
tale Theil. Seine vier so gebildeten Felder füllen oben und unten
je ein Delphin nach rechts und linkshin schwimmend, ein für die
Kreislinien sehr geeignetes Ornament • links und rechts zwei gröfsere
geflügelte Knabengestalten, ebenfalls nackt, mit Chlamys und Tänien
(wie es scheint), aber ohne jegliches Attribut; also wahrscheinlich
nur Wiederholungen des einmal in diesem Kreise üblichen Motivs
der Jahreszeiten-Darstellungen. Ueber dem Knaben links befindet
sich an etwas auffälliger, aber mit der von LEG VIII-AVG auf Nr. 1
einigermafsen zu vergleichenden Stelle, in ganz feinen Zügen ein-
geritzt die Inschrift, hier in der Gröfse des Originals nach der
offenbar ganz genauen Zeichnung M a c h t s wiederholt, da der ver-
kleinerte Stich unserer Tafel mit einiger Willkür davon abweicht.

I9) Ebenfalls von C. Engelhardt erst dänisch {Nydam Mosefund u. s. w.,
Kopenhagen 1866 4.) und dann in dem englischen Werk publiciert.
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