Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 116
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einem Legionär der achten, so dieser einem Legionär der fünfzehnten
Legion zugewiesen. Die XV Apollinaris (denn nur an sie kann
füglich gedacht werden, da die andere die Zahl XV führende Legion,
die Primigenia, während der ganzen Zeit ihres Bestehens nur im
unteren Germanien stationiert gewesen zu sein scheint) — dass das
Cognomen nicht beigefügt ist, entspricht vielfällig bezeugtem Brauch
besonders des ersten Jahrhunderts — hatte seit dem Jahre 71
n. Chr. ihre Standquartiere zu Carnuntum im oberen Pannonien, von
Hadrian an aber dauernd in Kappadokien ül). Nur in dem Zeit-
raum von etwa fünfzig Jahren, welcher sich aus diesen Zeitgrenzen
ergiebt, kann daher der Schild in Siebenbürgen seinen vielhundert-
jährigen Ruheplatz gefunden haben. Vielleicht verlor ihn sein Träger
oder ward er mit ihm verloren gerade auf dem Marsch der Legion
von Petronell in den Orient. Hiefür könnte nur eine genaue Fund-
notiz , wenn sie vorhanden wäre, Anhaltspunkte der Entscheidung
geben. Enthalten die beiden ersten Zeichen den Namen der Legion,
so vermuthet man in den folgenden den der Centurie und den des
Trägers oder einen von beiden. Nach keiner Seite hin fügen sich
die erhaltenen Schriftzüge leicht einer Lesung und Deutung. Das
Zeichen der Centurie, die vitis (7 ), oder das auf dem Kopfe stehende
D), ist nirgends erkennbar. Am ehesten noch vertheilen sich die
Zeichen auf zwei Namen, Grentile und Cognomen, jenes abgekürzt,
dieses ausgeschrieben. So verstand wohl M o m m s e n seine Lesung
IVS22) — also etwa Iustii oder Iustinn — ELENI, also Eleni für
Heleni. Ist M a c h t s Zeichnung absolut genau , so folgen auf das
T von IVS noch sechs, nicht fünf, Buchstaben und der dritte von
ihnen war nicht E, sondern I. Die beiden ersten und die beiden letzten
Zeichen entsprechen Mommsens Lesung, nur das drittletzte ist
sehr undeutlich. Ist das vorletzte, wie wahrscheinlich, ein N, so
kann das drittletzte nicht wohl auch ein N ( von ganz anderer Form)
gewesen sein. Am meisten sieht es wie V aus, doch weiss ich da-
mit gar nichts anzufangen. Kann es, was nicht absolut unmöglich
scheint, ein natürlich auch sehr missrathenes A sein, so erhielten
wir damit das nicht unmögliche Cognomen ELIANI, mit rustiker
Wiedergabe des Diphthongs durch E. Dabei könnte in den confusen
Zeichen der zweiten Zeile doch noch die Fortsetzung der Inschrift
stecken; sie können recht wohl den Namen der Centurie enthalten

2I) Siehe die Ausführungen von Mommsen in C. I. L. III S. 482.
72i Denn das unvollkommene Zeichen r kann allenfalls für S oder T, sicher
nicht für L gelesen werden. Auch FVS, etwa Fuscinii, wäre möglich.
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