Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 121
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fasst das r. Handgelenk des zaghaft folgenden Herakles (um einen
Kopf kleiner als Athena), mit Tänie im krausen Haar (schwarze
Tupfen), an der Hüfte Bogen und Köcher, über dem kurzen Chiton
das Löwenfell (dessen Kopf in den Nacken zurückgefallen ist), den
Mund wie Athena halbgeöffnet, die Finger der R. verlegen ausge-
spreizt; (ob er in der L. die Keule schultert, ist nicht erkennbar,
weil am Oberleibe die Details verwischt sind). R. von ihm nach L,
den Kopf nach r., Apollon im langen Chiton und Mantel, im wal-
lenden Haar eine Binde, mit der L. auf der siebensaitigen Lyra
spielend, in der R. das an einem Bande befestigte Plektron. — B.
(Der Henkel reicht von der Mitte der vorigen bis zur Mitte der
folgenden Figur.) L. nach 1. eine weibliche Figur in Chiton Mantel
und Tänie, die R. erstaunt erhebend, in der L. eine grosse Kanne.
R. von ihr nach r. Poseidon im langen Chiton und Mantel, im kurzen
Haar aus dem hinter dem Ohr eine Locke herabfällt eine Binde,
in der R. einen Delphin, in der L. den Dreizack. Weiter r. nach
vorn, den Kopf nach r., Hermes bärtig und kurzhaarig in kurzem
Chiton und Chlamys, hohen Stiefeln und Petasos, die R. ausstreckend,
in der erhobenen L. das Kerykeion; dann nach r. fortschreitend
und umblickend Dionysos mit langem Bart und Haar, epheubekränzt,
im langen steif gefältelten Chiton und Mantel, in der R. den Thyrsos,
in der L. den grossen leeren Kantharos. ■— Zeus Athena Herakles
und Apollon haben helle Augen (die Pupille erscheint als dunkler
Punkt in der lichten Iris).

Abgeb. Sart., beschr. Arch. Anz. ^853 S. 402, 12, ed. Gerhard Auserl. Vbb.
Tf. 146, 147 vgl. II, S. 182 ff. (die Figg. von Zeus bis Poseidon incl. darnach klein
Panofka Griechinnen und Griechen nach Antiken, Taf. II 13 vgl. S. 24) mit einer
seltsamen Interpolation: Nereus Doris und eine den Raub der Thetis meldende
Nereide sind zwischen Zeus und Hera eingeschoben. Vgl. noch Welcker Alte Denkm.
III S. 424 ff. u. Jahn Arch. Aufs. S. 104 ff. (wo die Bemerkung, dass die Figur des
Herakles unter einem der Henkel sich befinde und daher so klein gerathen sei, zu
berichtigen ist). Die Fackelträgerin neben Zeus ist nach Gerhard Hestia Hera oder
Iris, nach Panofka und Papasliotis Hera als Brautmutter oder Pronuba, nach Jahn
und Welcker Artemis Hegemone, die Figur mit der Oinochoe nach Gerhard und
Panofka Artemis, nach Jahn und Welcker Hebe. Hera (nach Welcker Persephone)
übersah Papasliotis und zählte nur 9 Figg. Ein Gefäss von gleicher Form und
Zeichnung im Brit. Mus. 767 (Gerh. Auserl. Vbb. in Tf. 174, 175; ein Parisurtheil,
sehr ähnlich Hera Athena Poseidon und Dionysos).

59. Kelchförmiger Krater. (M. 56.) H. 0-45. Sehr schön. An-
geblich aus Attika. F. — A. Gigantomachie (?). Zeus eilt weitaus-
schreitend nach r., in der vorgestreckten L. den Blitz (über dem
Arm die Chlamys), in der nach rückwärts ausholenden R. das Scepter;
sein krauses Haar (Tupfen über Stirn und Schläfe) ist hinten auf-

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