Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 132
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1878/0144
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
132

99. Glockenförmiger Krater. (M. 54.) H. 0-32. Charakteristisch.
S. —■ A. Dreifuss raub. Ein nackter bärtiger Satyr trägt mit ein-
knickenden Beinen mühsam und ängstlich (das Gesicht en face)
einen grossen Dreifuss auf dem Kopfe nach L Ihn verfolgt Apollon,
die wehende Chlamys über dem r. Arm, sonst nackt, ein Wehr-
gehenk über der Brust, lorbeerbekränzt, einen Bartflaum an der
Wange, in der erhobenen R. eine Keule, in der L. den Bogen. L.
ein Lorbeerbaum, r. eine Ranke, in der Mitte ein undeutlicher Gegen-
stand, (eine geknüpfte Binde, die von dem Dreifuss herabgefallen
ist?) — B. Zwei Manteljünglinge, der eine mit Stab, r. von ihm
eine Stele, oben ein Thierschenkel am Kniegelenk aufgehängt*) und

ein halber Rundschild.

A. abgeb. u. bespr. v. E. Curtius Herakles d. Satyr u. Dreifussräuber, 12.
Winckelmannsprogr. Berl. 1852. Irrig ist dort statt B. das Aversbild der fol-
genden Vase als Revers dieses Gefässes angenommen, welches Papasliotis (Arcb.
Anz. 1853 S. 401) natürlich so nicht finden konnte.

100. Desgleichen. H. 0 335. Weichlich. F. — A. Perseus mit
Satyr. R. von einem kahlen schattirten Baum steht Perseus ganz
nach vorn gewendet, bartlos, beschuht, mit Chlamys Wehrgehenk
Tiara mit Zackenkamm, in der L. die sichelförmige Harpe, in der
nach 1. vorgestreckten R. das grassblickende, von Schlangen, die
unter dem Kinn zusammengeknüpft sind, umringelte Medusenhaupt.
L. von dem Baum in lebhafter, äusserstes Entsetzen ausdrückender
Bewegung (wie im Anlauf blitzgetroffen) ein bärtiger mit einer Tänie
geschmückter Satyr, die L., der eine gelbe Binde (oder Schlange?)
soeben entfallen ist, vor die geschlossenen Augen pressend. R. fliegt
ein Käuzchen mit perlenbesetzter kranzartiger Binde in den Krallen
auf Perseus zu**). Unten zwei Ranken. — B. Zwei Manteljünglinge,
der eine mit Stab und Sandalen, der andere mit Strigilis, dazwischen
eine Stele mit NIKA (Kiovnböv geschr.) oben eine Binde***). — Abgeb.
(A. u. B.) Buttovaz. A. abgeb. u. bespr. v. E. Curtius 12. Berl.
Winkelmannsprogr. 1852 (irrthümlich als Gegenbild von 99 A.) und
Otto Jahn Philologus XXVII Taf. I 2, p. 16.

101. Glockenförmiger Krater. (M. 54.) H. 0 36. S. - 4.Kot-
tabosspiel. In der Mitte steht nach 1. ein nacktes Mädchen (Arm-

*) Aehnlich aber noch unzweideutiger als bei den Splanchnopten Müller-
Wieseler II 337.

**) Vgl. Ann. delV inst. 1869 tav. d'agg. GH. u. Arch. Ztg. 1848 Taf. 14, 1
(Overb. Heroengall. 27, 3).

***) Nü<a als Stelenaufschrift: Jahn Einleitung zur Beschr.d. Münchner Vasens.
Anm. 904.
loading ...