Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

Seite: 161
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Vasen von Adria

In der kürzlich erschienenen Publication Richard Schönes
nLe antichitä del museo Bocchi di Adria, Roma presso Vinstituto 1878a
ist ein werthvoller Band von Originalzeichnungen nach Alterthümern
von Adria benützt, welcher in der Bibliothek des k. k. Münz- und
Antikencabinets aufbewahrt wird und den Titel „Antichitä di Adria"
mit der Signatur V3, 14 führt. Die Zeichnungen reproduciren
grösstenteils Vasen oder Vasenfragrnente und zwar fast durch-
gängig diejenigen Stücke, deren genaue Kenntniss wir jetzt Richard
Schöne danken. Sie sind ohne Hilfe von Bausen, aus freier Hand
entworfen, meist sehr ungenügend nicht blos in der Wiedergabe des
In schriftlichen, aber doch mit einem gewissen naiven Geschick, so
dass man kaum irgendwo in Zweifel bleibt über das was gemeint ist.

Auf Seite 7 des genannten Bandes ist ein Vasenfragment mit-
getheilt, das Schöne a. a. 0. p. 32 nach dieser Zeichnung erwähnt,
ohne es mit einem noch vorhandenen Stücke der Sammlung Bocchi
identificiren zu können. Das von ihm unter n. 26 beschriebene ist
allerdings ähnlich, enthält aber rechter Hand eine Figur, die hier
fehlt und bietet den Rest der Inschrift nicht, die hier vorhanden
war; auch würde es nach der Beschreibung einer andern Vasenform
angehören. Das Fragment scheint also verloren zu sein. Da es
ein besonderes Interesse besitzt und die Funde von Adria, wie man
erst jetzt recht erkennt, für die Geschichte der griechischen Vasen
überhaupt in hohem Grade lehrreich sind, schien es nicht unnütz,
durch eine Wiederholung der Zeichnung an dieser Stelle, die Publi-
cation Richard Schönes zu vervollständigen. Wie mangelhaft auch
die Zeichnung ist, so lässt sie doch auf den ersten Blick erkennen,
dass das Fragment von einem weiteren Exemplar der sehr seltenen
und seltsamen, ihrer Bestimmung nach noch räthselhaften Geräth-
form herrührt, auf die ich, griechische und sicilische Vasen p. 70—73
hingewiesen habe.

Der grosse Werth der Vasen von Adria beruht in ihrem rein
attischen Charakter. Sie zeigen in ihrer Gesammtheit so deutlich '
wie wenige Funde anderer Orte, dass sie aus Athen importirt sind,
ohne Herkunftszeugniss würde man glauben können, dass sie aus
dem Schutte der Akropolis stammen. Die Compositionen stimmen
überein mit solchen von attischen Exemplaren (so unter Anderem
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