Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 2.1878

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bibliothek zu Venedig. Nach einer Skizze Prof. Oonze's*), die ich
in eigener Anschauung bestätigt fand, drängt sich hier der Schwan
mit den Füssen oberhalb der etwas gebogenen Knie der ganz nackt
dastehenden Leda zwischen ihre Schenkel, während diese die ge-
senkte Linke dem zudringlichen Vogel vorhält und mit dem vor-
gestreckten rechten Arm dessen Hals umfasst.

Das zweite Denkmal befindet sich im ungarischen National-
museum zu Budapest**). Eine linkerhand gebrochene und unvoll-
ständige Marmorplatte 0*71 hoch, soweit erhalten 0*37 breit und
0'16 dick, zu welcher eine zweite mit dem Raube des Ganymedes
ein passendes Gegenstück bietet, zeigt innerhalb einer profilirten,
oben geschweiften Umrahmung Leda en face stehend, nur mit dem
Gesichte etwas nach rechts gewendet; sie hält mit der gesenkten
Rechten das bis zu den Hüften entfallene Gewand fest vor den
Oberschenkeln, mit der erhobenen Linken umfasst sie abwehrend
den Hals des gegenüberstehenden Schwanes. Letzterer, im Profil
nach links gezeichnet, steht mit dem linken Beine auf einem sechs-
seitig zu denkenden Cippus, während er das rechte Bein auf den
linken Schenkel der Leda gesetzt hat — im Ganzen eine ziemlich
frostige Erfindung, welche die von Overbeck aufgegebene Auffassung
C Braun's und O. Jahn's bezüglich des Berliner Ledareliefs be-
stätigt***).

Wien E. MAIONICA

*) Die Zeichnung bei Muchar Geschichte des Herzogthums Steiermark, I.
taf. XVIII, 25 (vgl. S. 435) ist unbrauchbar.

**) Meines Wissens bis jetzt unbekannt.

***) Braun im Bull. delV Inst. 1840 p. 32, Jahn Ber. der k. sächs. Ges. d. W.
1852 S. 51; vgl. Overbeck a. a. 0. Anm. 200 zu S. 504. — Eine vor Kurzem in
Carnuntum gefundene versilberte Thonlampe, im Besitze des Herrn Baron Ludwigs-
torff in Deutsch-Altenburg, stellt Leda nach links stehend dar, wie der Schwan sie
mit beiden Flügeln umschlingt und küsst, während sie die Linke (von dem andern
Arm ist Nichts zu sehen) vor ihm senkt und mit ihr augenscheinlich ein herab-
fallendes Gewandstück gefasst hält. Aehnlich, aber abweichend im Einzelnen ist
die Thonlampe bei Overbeck p. 504.
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